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Ist Begegnung möglich?

Eine Annäherung an das Wach – Koma

 

(Vortrag in Bruchhausen – Vilsen am 16.3.2001)

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In den 10 – Uhr – Nachrichten auf NDR II hören wir:

 

„ In den frühen Morgenstunden kam es bei dichtem Nebel auf der Autobahn zwischen Bremen – Hemelingen und Arsten zu einem schweren Verkehrsunfall. Fahrer und Beifahrer des Kleinlasters waren sofort tot. Der Fahrer des nachfolgenden PKWs wurde schwer, die Beifahrerin leicht verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert..“

 

„Der Fahrer wurde schwer verletzt - “ Mehr hören wir über ihn nicht. Ob er später im Krankenhaus stirbt, welcher Art seine Verletzungen sind.

Wird er den Unfall überleben?

Wie wird er ihn überleben?

 

Vielleicht wird er sein Bewußtsein nicht wiedererlangen, wird er eines Tages im Wach-Koma leben.

 

Die meisten Radiozuhörer werden zu ihrer Tagesordnung übergehen. Nur wenige Menschen – die Angehörigen, einige Nachbarn, Freunde – werden mehr erfahren. Einige von ihnen werden ihn weiter begleiten: Seine Frau, seine Mutter oder seine Tochter werden bei ihm sein auf der Intensivstation – tagelang, nächtelang, wochenlang – bis es heißt: „Wir können nichts mehr für ihn tun.“ Das sagen die Ärzte. Sie beschließen, die Beatmungsmaschine abzustellen.

Seine Mutter, seine Frau, seine Tochter hatte zugestimmt, denn sie wußte, so hat er nie leben wollen. Alle hatten sich mit dem Ende abgefunden: ohne Hoffnung, erschöpft, verzweifelt, ohnmächtig, resigniert –

 

Und?

 

Er atmet weiter – und atmet – und atmet in seinem eigenen Rhythmus!

 

Es folgt ein weiteres Stadium: die Frührehabilitation.

Es sind nur Rehabilitationsversuche: die Gelenke werden vom Physiotherapeuten durchbewegt, Aufforderungen zu aktiven Bewegungen kann der Patient nicht nachkommen, er scheint nicht erreichbar, obwohl er doch mit offenen Augen da liegt und scheinbar hellwach ist. Der Arzt verordnet Medikamente, die Schwestern und Pfleger kümmern sich um die Grundversorgung, messen den Blutdruck, die Temperatur...

 

Dazwischen treffen wir seine Frau, seine Mutter oder seine Tochter.

Nennen wir sie Anna; denn wir kennen sie mittlerweile als die, die rausgeschickt wird aus dem Krankenzimmer, wenn die Ärzte allein sein wollen, die mit anfassen darf, wenn der Physiotherapeut sie braucht, die stundenlang einfach nur da sitzt, da ist.

 

Sie ist die, die eines Tages spürt, daß sich im Körper des Betroffenen etwas geändert hat, die spürt, daß etwas, das nach dem Unfall nicht da war, wieder da ist, etwas, zu dem sie eine Beziehung aufnehmen kann, das ihr Hoffnung gibt.

 

Sie wird bei ihm bleiben. Sie wird Fragen stellen, an ihn, an sich, die sie sich selbst wird beantworten müssen.

 

Warum geschah das alles?

 

Warum heute, warum jetzt?

 

Es war doch alles ganz anders geplant.

 

Was wird werden nach dem Aufenthalt auf der Intensivstation, nach der Entlassung aus dem Krankenhaus, nach der Reha?

 

Auf der Intensivstation hatten die Ärzte alle Geräte abgestellt – doch der Patient atmete spontan weiter.

 

Er atmet!

 

Lebt er?

Er funktioniert, zeigt spontane, reflektorische Bewegungen. Aber wo

ist seine Seele?

 

Wie finde ich wieder Kontakt zu ihm?

 

Wie erfahre ich, was er denkt und fühlt?

 

Wie erhalte ich Antworten auf meine Fragen?

 

Und wo bleibe ich mit meinen Empfindungen: meinem Schock, meiner Trauer, meiner Wut, meiner Fassungslosigkeit, mit meinen Fragen nach dem Sinn.

 

Wo sich der andere befindet, kann ich nur vermuten. Da gibt es Berichte von Nahtoderfahrungen, die Sie vielleicht aus der Literatur von Frau Kübler-Ross oder Dr. Murphy kennen. Beide führten unzählige Interviews mit Sterbenden durch und befragten Menschen, die aus dem Koma erwachten und über ihre Erlebnisse berichten konnten. Er gibt Schilderungen von Meditationserlebnissen oder Erfahrungen aus schamanischen Behandlungen mit jeweils vergleichbaren Inhalten über eine andere Welt, zu der wir mit unserem Bewußtsein so ohne weiteres keinen Zugang zu haben scheinen.

 

Das war nicht immer so. Es gibt Berichte über eine Zeit, in der die Menschen dieser Anderswelt viel näher standen. Es ist die Zeit, über die wir heute mit unserer engstirnigen Hochmütigkeit nur verächtlich lächeln, in der aber die großen Kulturen geboren wurden.

 

Und diese Zeit ist eigentlich – im Vergleich zur Existenz der Menschheit insgesamt, oder im Vergleich mit der Existenz lebendiger Wesen auf unserem Planeten – gar nicht so lange her.

 

In dieser Zeit gab es ein schamanisches Bewußtsein, für das die Einheit von Gotterfahrung – Natur – Mensch eine Selbstverständlichkeit, ja die Voraussetzung für das soziale Miteinander war. Wie groß unsere Sehnsucht nach dieser Einheit ist, erkennen wir an dem wachsenden Interesse an den schamanischen Kulturen. Wir müssen davon ausgehen, daß insbesondere das medizinische Wissen auf schamanischen Erfahrungen beruht. Nicht anders ist etwa das umfangreiche und differenzierte System der ayurvedisch – tibetisch – chinesischen Tradition zu verstehen.

 

Die Grundlagen unserer Kultur liegen zum großen Teil in der germanisch – keltischen Tradition, die sich bis zum heutigen Tag im Kampf befindet mit dem geistigen Erbe des Vorderen Orients, das sich über die Griechen und Römer Europas zu bemächtigen versuchte.

 

Dieser Kampf findet kollektiv und individuell in jedem von uns statt, wenn wir uns unserer Ambivalenz zwischen unserem Denken und Empfinden auf der einen und unserem Fühlen und der Intuition auf der anderen Seite bewußt werden. Gerade in wichtigen Lebensentscheidungen ist die Synthese von großer Bedeutung. Wir trennen oft in rationales und irrationales Bewußtsein. Für die Chinesen etwa ist das weniger ein Problem: denn YIN und YANG stellen zwei Aspekte des EINEN dar, das sie TAO nennen. Im übrigen arbeiten unsere Hirnhälften auch am liebsten gemeinsam.

 

James Redfield sagt, jede menschliche Begegnung enthält eine Botschaft für mich. James Redfield beschäftigte sich in den USA als Sozialarbeiter mit Jugendlichen in Randgebieten. Sein Buch über die Prophezeiungen von Celestine ist lesenswert.

 

 

Als Begleiter eines Menschen im Wach-Koma habe ich zwei Möglichkeiten, die sich gegenseitig unterstützen:

 

 

  1. Ich kann mich fragen, welche Botschaft enthält die Konfrontation mit dieser Lebenslage für mich? Welche seelisch – geistige Entwicklung möchte ich in dieser Situation machen?

 

Und

 

 

  1. Wie kann ich versuchen, mit den völlig neuen und noch ungewohnten Möglichkeiten Kontakt zu meinem Partner aufzunehmen, seine Reaktionen nicht nur als spontane leere Reflexe, sondern als inhaltlich sinnvolle Botschaften, als Mitteilungen über seine und Resonanz auf meine Befindlichkeit zu deuten.

 

 

 

 

Ich möchte mich zunächst der ersten Fragestellung zuwenden:

 

Jeder wird mir wohl zunächst zustimmen, wenn ich behaupte, daß ein harmonischer Lebensweg mit einer fröhlichen Kindheit, einer erfolgreichen Ausbildung, einer gelungenen Partnerwahl, frei von gesundheitlichen Störungen und finanziellen Sorgen in unserer heutigen Zeit als das höchste Glück angesehen werden kann.

 

Die Frage ist nur, warum treffen wir diese Voraussetzungen so selten an? Warum gibt es so viele Schmerzen und Enttäuschungen, bis wir erwachsen sind? Warum werden wir in unseren Berufen nicht glücklich? Warum leben wir in Beziehungen, die voll Streit und Mißgunst sind? Warum leiden wir an körperlichen und seelischen Krankheiten oder müssen unser mühsam Erspartes zusammenhalten?

 

Wir fragen oft nach den Ursachen: Warum geschieht mir dies und das? Mit der Frage verbunden ist oftmals ein vorwurfsvoller Unterton, eine Schuldzuweisung an ein Versagen, das wir Eltern, Lehrern, Umständen, Politikern, ja schließlich Adam und Eva und insbesondere der Schlange zuschreiben.

 

Sigmund Freuds Psychoanalyse hat uns umfangreiche Erklärungsmöglichkeiten angeboten, wenn wir nach den Ursachen unserer Lebensbedingungen fragen. Da gibt es eine Reihe von Einflüssen, die in bestimmten Lebensphasen die Persönlichkeitsentwicklung prägen, einen Charakter ausbilden, und so einen Menschen Konflikte in einer absehbaren Art und Weise immer wieder gleich gut oder schlecht lösen lassen.

 

 

Wenn wir die Erklärung nun haben, bleibt allerdings ein negativer Beigeschmack. Es scheint so, als ob wir unsere Verantwortung für die Gestaltung unseres Lebens abgegeben hätten an andere, an die Umstände, die uns geprägt haben. Die aus der Frage nach den Ursachen gewonnene Erkenntnis müßte jetzt Anlaß geben, den Versuch zu wagen, unser Verhalten zu ändern.

 

 

Die Frage, die uns allerdings in dieser Situation weiterhelfen kann, ist die nach dem Sinn. Welcher Sinn steckt in einem Erlebnis, in einer Beziehung, in einem Schicksalsschlag? Daß die Fragestellung richtig ist, spüren wir an der Erleichterung, die sich einstellt, um ein schwerwiegendes Erlebnis auszuhalten.

Die analytische Psychologie C. G. Jungs betont mehr die Suche nach dem sinnvollen Zusammenhang z.B. eines persönlichen Konfliktes in unserem Lebenskontext vor dem entsprechenden familiären und kulturellen Hintergrund. Jung war als Psychiater und Psychoanalytiker zunächst Schüler von S. Freud, distanzierte sich dann jedoch von ihm und ging eigene geistige Wege. Er entwarf vor allem insbesondere eine Psychologie der zweiten Lebenshälfte, die sich weniger mit der frühkindlichen individuellen Entwicklung als umfassender mit den individuellen Beziehungen und kulturellen Bedingungen und Bezügen befaßt. Jung prägte den Begriff des Kollektiven Unbewußten und den der Archetypen.

Das kollektive Bewußtsein spiegelt sich in bewußten Tendenzen und Trends einer Gruppe von Menschen. Im kollektiven Unbewußten finden wir die Wurzeln der bewußten Haltungen und Einstellungen. Wir können sie ableiten von Symbolen, die uns in Mythen und Märchen begegnen und die ganze Völkergruppen, ja die ganze Menschheit betreffen. In diesem kollektiven Unbewußten gibt es Urkräfte von Anfang an, eben die Archetypen, die in verschiedenen Kulturen immer wieder gleich repräsentiert sind, in Sagen, Mythen und Märchen Gestalt finden, aber auch in den Träumen der Menschen, insbesondere in der zweiten Lebenshälfte. Es ist der Archetyp des Vaters, der der Mutter, es ist das göttliche Kind, es sind die Schöpfungsmythen oder der Archetyp der heiligen Hochzeit. Gerade mit dem Symbol der heiligen Hochzeit beschrieb Jung das Phänomen der Begegnung in seiner Vielschichtigkeit. Die Begegnung zwischen zwei Menschen findet nicht nur auf der für beide bewußten Ebene statt, sondern zusätzlich auf ihrer unbewußten Ebene, von dem Bewußtsein des einen zu dem Unbewußten des anderen und umgekehrt und

schließlich innerhalb der Psyche als Begegnung des Bewußtseins mit dem eigenen Unbewußten.

 

Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage nach dem Sinn eines Schicksalsschlages eine besondere Bedeutung. Denn wenn ich nach dem Sinn einer Begebenheit frage, möchte ich auch gleichzeitig wissen, wozu diese gut ist. Das Ziel einer Handlung, einer Entwicklung, gewinnt an Bedeutung: wozu begegnet mit dieser Mensch oder dieser Erlebnis?

 

Die Frage erhält, im Gegensatz zu der nach der Ursache, eine eher positive Tönung.

 

Dann bekommt der sogenannte Zufall einer Begegnung eine tiefere Bedeutung, für die, die sich begegnen, und für die Begegnung mit mir selbst.

 

Dann kann ich erkennen, daß mein Leben einen Sinn haben muß, wie alles, was um mich her existiert, sinnvoll ist. Daß ich zwar verantwortlich bin für meinen Lebensweg, mich dabei aber in einem größeren Sinnzusammenhang geborgen fühlen kann.

 

Denken wir vor diesem Hintergrund noch einmal an die Bedingungen, unter denen wir aufgewachsen sind. Wir können dann zu der Erkenntnis kommen, daß wir, beziehungsweise unsere Seelen, sich dieses Elternhaus, dieses Kinderheim, diese Erzieher und Umstände ausgesucht haben, um in diesem Leben eine bestimmte Aufgabe oder einen Teil einer viel größeren Aufgabe zu lösen.

 

 

Leider stellen wir uns die Frage nach der Ursache oder nach dem Sinn einer bestimmten Lebenssituation nur in Zeiten der Not. Als ob die Not die Notwendigkeit darstellt, eine Wende in unserem Leben zu vollziehen. Es hat den Anschein, als benötigten wir immer wieder mehr oder weniger intensive Hinweise, unserem wirklichen Lebensplan zu folgen. Als müßten wir immer wieder in körperliche oder seelische Not geraten, um uns zu besinnen, daß wir von unserer eigentlichen Bestimmung abgekommen sind. So kann körperlicher oder seelischer Schmerz, finanzielle Sorge, berufliche Hemmnis oder eine trostlose und unerfreuliche Auseinandersetzung die Botschaft zu einer Korrektur auf unserem Lebensweg beinhalten.

 

Darauf weist uns Edward Bach hin mit seiner Philosophie zu Krankheit und Gesundheit.

 

Sie kennen Dr. Bach als den Begründer der Bach – Blütentherapie. Er lebte von 1886 bis 1936 in England und zuletzt in Wales und suchte sein Leben lang nach den wahren Ursachen der chronischen Erkrankungen seiner Patienten. Er sah Krankheit schließlich an als ein Korrektiv auf unserem Lebensweg zu unserer Entwicklung und Auffindung unserer eigentlichen Aufgaben. Seine Eingebung war, daß er – etwa zeitgleich zur Entdeckung der psychoanalytischen Methode – seelische Ursachen hinter den meisten körperlichen Erkrankungen vermutete und Blütenpflanzen als die geeignetsten Arzneimittel suchte, da diese die höchst entwickelten Pflanzen sind. Dr. Bach fühlte eine tiefe religiöse Liebe zu den Menschen und zur gesamten Natur, aus der er seine Heilmittel entgegennahm.

 

Es lohnt sich sehr, sich mit seinen Gedanken zu beschäftigen. Auch er verfolgt die Frage nach dem Sinn und sah als Ziel „die Erkenntnis der Einheit aller Dinge: daß der Schöpfer aller Dinge Liebe ist, und daß alles, dessen wir uns bewußt sind, in seiner unendlichen Anzahl von Formen eine Offenbarung dieser Liebe ist.“

 

 

 

 

Auch Anna, die Begleiterin unseres Wach-Koma- Patienten, hat mehr als einmal die Frage nach dem Warum gestellt: Warum ihr diese Lebenssituation zugestoßen ist.

 

Doch bevor sie sich diese Frage stellen konnte, wurde sie konfrontiert mit einer Unmenge und Intensität von Empfindungen, wie sie sie in ihrem bisherigen Leben nicht wahrgenommen hatte: mit Gefühlen der Trauer und Verzweiflung, mit Gefühlen der Wut und des Zornes, mit Ängsten des Verlassenseins, der Einsamkeit und der Hilflosigkeit, konfrontiert mit einer Realität, die bisher nicht in diesem Maße einen Platz in ihrem Leben hatte. Nie zuvor hatte sie ihren Anteil an der Beziehung zu diesem Menschen so klar gesehen, nie zuvor war sie so hart gezwungen worden, Illusionen aufzugeben, die sinnlos geworden waren.

 

Die Frage nach dem Warum half ihr in keiner Weise. Die ausbleibenden Antworten verstärkten eher die Empfindungen der Wut, des Zornes und der Schuldzuweisungen, brachten aber keine Erleichterung.

 

Die Frage nach dem Sinn zu stellen, erschien ihr zunächst völlig abwegig. So tief waren ihre Empfindungen. Andererseits war es gerade dieses Erlebnis, ihre Empfindungen in einer zuvor nie wahrgenommenen Intensität erfahren zu haben, die ihr die Sinnhaftigkeit näher brachte.

Nie zuvor hatte sie sich so intensiv selbst wahrgenommen. Nie zuvor hatte sie sich überhaupt diese Art von Fragen gestellt. Jetzt ging es sie ja selbst an. Sie sah sich gezwungen, sich Gedanken zu machen über Leben, Krankheit und den Tod. Sie ließ sich konfrontierten mit den Fragen der Endlichkeit dieses Lebens auf der Erde.

 

Nicht zufällig erwuchsen daraus neue Einsichten: ein neues, weiteres Selbstverständnis als zuvor, die Gewißheit, tiefe Empfindungen und Ängste aushalten zu können, die Kenntnis von Zusammenhängen in dieser Welt, die für den menschlichen Verstand unfaßbar schienen, ein Glaube an eine höhere Macht der Liebe, die sich in der Schöpfung manifestiert und möglicherweise eines Tages die Kraft gibt, die Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen und auch einmal dem Schicksal verzeihen zu können.

 

 

Jeder Mensch muß diese Antworten für sich selbst finden. Ich kann sie auch nicht stellvertretend für den Menschen geben, den ich in seinem Wach-Koma begleite.

 

 

Ich komme jetzt zu meiner zweiten Fragestellung: der Frage zu den Möglichkeiten einer Kontaktaufnahme zu meinem Partner, zum Verständnis seiner sinnvollen Botschaften über seine Befindlichkeit und die Resonanz auf

mein Befinden.

 

Unser zentrales Problem im Kontakt zu einem Menschen ist, daß wir uns generell zu sehr auf unsere bewußten Kommunikationsmöglichkeiten verlassen. Wir stützen uns auf unsere bewußten Sinneswahrnehmungen, insbesondere auf das gesprochene Wort, und bauen darauf unsere Kenntnis des fremden Menschen auf. Es ist kein Wunder, daß wir ihn nur halb verstehen, bedienen wir uns doch lediglich einer Hirnhälfte in der Wahrnehmung und Beurteilung. -Obwohl wir doch genau wissen, daß es da noch eine zweite Hirnhälfte gibt, daß

es da noch Gefühle, Intuitionen und nicht verwörterbare Erfahrungen gibt, versäumen wir es, diese Fähigkeiten zu trainieren.

 

Wir wissen längst von sogenannten psychovegetativen Zusammenhängen, von unwillkürlichen Bewegungsabläufen und von Regulationsfunktionen, die ohne unser Bewußtsein ablaufen. Die Anzahl dieser Funktionen ist so groß, daß sie von dem schmalen Grad unseres Bewußtseins nie kontrolliert werden kann.

 

Gerade die Ausschaltung der bewußten Kontrolle macht deutlich, wie sehr zum Beispiel Empfindungen in unwillkürlichen Bewegungen Ausdruck finden können. Wir sprechen ja gerade von der Gesamtheit der Gefühle und Empfindungen von E – motionen, das heißt von „Aus(druck von)Bewegungen“.

Beim kinesiologischen Muskeltest bedienen wir uns gerade dieser unwillkürlichen Bewegungsmöglichkeiten. Der Muskeltest gibt uns Antworten aus dem Unbewußten des Patienten auf unsere bewußt gestellten Fragen.

 

In diesem Zusammenhang ist es sehr interessant zu erwähnen, daß es über den Rhythmus der Herzaktion und den der Atmung hinaus im Körper einen weiteren Rhythmus gibt, dessen eigentlicher Ursprung nicht endgültig bekannt ist. Es ist der Rhythmus, den Sutherland fand, und der den gesamten Körper in Bewegung hält. Er hat eine Frequenz, die etwas langsamer ist als die der Atmung. Er geht aus von einer pulsierenden Bewegung des Nervenwassers und überträgt sich über die Hirnhäute auf das Schädel- und Skelettsystem und die Extremitäten und ist schließlich über das Bindegewebe in allen Organen des Körpers wahrzunehmen.

Weil er am Schädel und am Kreuzbein in gleicher Weise zu spüren ist, wird er auch Kraniosakralrhythmus genannt. Eine Blockierung dieses Rhythmus läßt sich nicht nur bei strukturellen Gelenkveränderungen, sondern auch bei der Erinnerung unbewußter Bilder feststellen. Dadurch kann die seelische Verarbeitung etwa eines Unfalltraumas durch das Bewußtsein wesentlich unterstützt werden. Ob eine ähnliche Unterstützung für den Wach – Koma – Patienten möglich ist, möchte ich mit meiner Arbeit herausfinden. Es ist generell möglich, mit Hilfe dieses Rhythmus das Signal von Zustimmung oder Ablehnung des betroffenen Patienten zu erhalten.

 

Darüber hinaus hat sich ja herumgesprochen, daß wir nicht nur aus dem Körper bestehen, den wir sehen und anfassen können, sondern daß dieser Körper umgeben ist von einer energetischen Hülle, von einem elektromagnetischen Feld, einer Aura, die ebenfalls nach bestimmten physikalischen Gesetzmäßigkeiten aufgebaut zu sein scheint. Es gibt Menschen, die diese Schwingungen sehen können und von Veränderungen berichten, die mit

speziellen Störungen der Organfunktion einhergehen. Ich selbst kenne mich nur in sofern mit diesem Thema aus, als ich Verschiebungen der Aura, sogenannte Löcher in der Aura und Störungen in den Energiewirbeln über den Chakren im Zusammenhang mit bestimmten Beschwerden vorgefunden habe.

 

 

Diese Ausführungen sollen Anna Mut machen, daß sie ihren eigenen Wahrnehmungen traut und ihnen weiter nachgeht. Sie hat – wie wir wissen - erfahren, daß es in der Beziehung zu ihrem Partner eine Ebene der Kommunikation gibt, die sich nicht in Worte fassen läßt.

Sie hat beobachtet, daß die Bewegungen bei ihm nicht ohne eine erkennbare Gesetzmäßigkeit ablaufen: Immer wenn eine Störung im Raum auftrat, registrierte Anna eine Zunahme von Unruhe bei dem Betroffenen. War sie mit ihm wieder allein, stellte sich die vorangegangene Ruhe wieder her. Es ist sehr schwer, die Äußerungen des Wach-Koma-Patienten richtig zu deuten. Eine vermehrt auftretende Unruhe kann ja sowohl die Botschaft eines Unbehagens oder einer Ablehnung als auch einer Zustimmung bedeuten.

 

Sie kennen diese Problematik im Umgang mit Ihren Angehörigen nur zu genüge.

 

 

Anna machte aber noch eine weitere Erfahrung. Verwundert war sie eines Tages über den bisher ungewohnten Grad von Unruhe bei ihrem Partner, der sich nicht als Antwort auf äußere störende Reize verstehen ließ. Sie machte die Entdeckung, daß diese Störung von ihr selbst ausgegangen sein mußte. Sie spürte, daß sie an diesem Tag eigentlich nicht zu Besuch kommen wollte und mit ihren Gedanken ständig bei ihrem geplanten Vorhaben war. Bewußt hatte sie sich aber diesen Besuch vorgenommen und den Termin eher aus Pflichtbewußtsein eingehalten. Erst als sie sich dieses Widerspruches bewußt wurde, ließ die beobachtete Unruhe nach.

 

Wir können davon ausgehen, daß jeder Mensch von einem Energiefeld umgeben ist, und daß diese Ausstrahlung sich auch entsprechend unserer emotionalen Befindlichkeit verändert. Mit unserem Gegenüber kommunizieren wir, wenn sich unsere Energiefelder begegnen. An der Reaktion des anderen, auch in seinem körperlichen Ausdruck, erkenne ich meine eigene Schwingung um so deutlicher, je weniger dieser seine Reaktion durch willentliche Einflüsse

verändern kann. Ich glaube, es gibt keinen ehrlicheren Partner als den Wach – Koma – Patienten. Diese Tatsache erklärt einen Großteil unserer Ängste, die wir in seiner Gegenwart spüren.

 

Diese Ängste betreffen aber uns selbst in der Begegnung mit einem Menschen, der uns wie wohl kein anderer mit unserer Realität konfrontiert und uns damit eine Chance gibt, unser Selbst zu finden und zu entwickeln. Damit können wir bedeutende Antworten über das Leben, die Krankheit und den Tod gewinnen.

 

Im Grunde wird uns nur bewußt, was ohnehin in jeder mitmenschlichen Begegnung zu finden ist, die eben nicht nur auf der bewußten Ebene abläuft, sondern entsprechend der „Heiligen Hochzeit“ nach C.G. Jung eine vielschichtige Verknüpfung bedeutet. Wenn auch die bewußte Begegnung nicht möglich scheint, bleiben uns doch noch etliche Wege offen zur Begegnung mit dem Unbewußten des Wach – Koma - Patienten und zur Begegnung mit unserem eigenen Selbst.

 

Nutzen wir diese Möglichkeiten!

 

 

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

 

 

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Bitte beachten Sie:

Zum 1.10.2013 habe ich die Zulassung als Kassenarzt zurückgegeben, praktiziere aber privatärztlich weiter.

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