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Hat Multiple Sklerose einen Sinn?

 

(Harald Faltz, Vortrag Aesculap- Klinik, Brunnen, Schweiz 2007)

 

In der psychoanalytischen Medizin ist die Frage nach dem Sinn einer psychischen Störung schon zum Alltag geworden, seit neben dem Warum und Woher mit C.G. Jung die finale Betrachtungsweise Einzug gehalten hat. Wer die Frage nach einem sinnvollen Leben stellt, wird auch an Viktor E. Frankl nicht vorbeikommen.

 

Angeregt durch das Buch „Welchen Sinn macht Depression?“ von Daniel Hell (1), der uns über die persönliche Bedeutung der Depression für den depressiven Menschen hinaus auch zu der kulturellen Sinnfrage führt, scheint es lohnenswert, auf folgende Fragen eine Antwort zu finden:

 

 

1.)    Hat die Multiple Sklerose für den Patienten einen Sinn?

2.)    Hat die Multiple Sklerose für den Arzt einen Sinn?

3.) Hat die Multiple Sklerose einen kulturellen Sinn?

 

 

ad 1) Zunächst fragt sich wohl jeder Mensch, der erfährt, dass die Störungen und Beschwerden, die er seinem Arzt mitteilt, zu dem Krankheitsbild der Multiplen Sklerose gehören: „Warum habe ich diese Erkrankung?“

Diese Frage ist umso relevanter, als es oftmals Menschen trifft, die in den jungen Jahren des Aufbruchs in das Leben mit Familiengründung und Karriereplanung beschäftigt sind: „Warum gerade ich? Warum gerade jetzt?“ Auch die Schuldfrage wird gestellt: „Was habe ich verbrochen?“ und „Warum muss mir das widerfahren?“

Der Patient möchte die Ursachen wissen: „Wie komme ich zu dieser Erkrankung?“

 

Und der Arzt muss ihm die Antwort schuldig bleiben, da er selbst nicht die Ursache der Multiplen Sklerose kennt. Wir wissen, wie schwer das fällt, und ich habe mich anfangs sehr schwer getan, den Patienten die Diagnose zu sagen, habe dann eher von Nervenentzündung usw. gesprochen.

 

Wenn sich die Patienten mit dieser Antwort nicht zufrieden geben, und wir Therapeuten dazu bereit sind, mag es möglich sein, mit ihnen über den Sinn der Erkrankung zu sprechen.

 

Damit bekommen die Beschwerden eine andere Bedeutung für den Patienten, denn die Frage nach dem Sinn ist eine Frage in die Gegenwart und Zukunft, weniger in die Vergangenheit, wie die Frage nach dem Ursprung.

 

Dann können Empfindungsstörungen zu einer vermehrten Wahrnehmung der Tastsinne auffordern, kann eine Gesichtsfeldstörung zu einer Öffnung des Bewusstseins in die Richtung des inneren Sehens führen, kann eine Lähmung der Handmuskulatur zu der Frage: Was kann ich nicht begreifen? Oder eine Lähmung des Beines zu der Frage: Was geht nicht mehr? Anlass geben.

 

Wir kennen diese Übersetzungen körperlicher Störungsmuster in die psychische Sprache aus der psychosomatischen Medizin, der Psychokinesiologie nach Klinghardt (2) und anderen vergleichbaren Verfahren.

 

Sie öffnen dem Patienten ein Bewusstseinsfeld, das es ihm erlaubt, einen Reifungsprozess zu beginnen, inne zu halten, seinen bisherigen Lebensweg zu korrigieren und seiner eigentlichen Lebensaufgabe näher zu kommen. Dann wird, mit Eduard Bach gesprochen, die Krankheit zum Korrektiv.

 

Viele Patienten beginnen, über ihre Ernährungsweise nachzudenken, ihre Berufswahl und ihre Partnersituation in einem neuen Lichte zu sehen. Einige beginnen zu meditieren.

 

 

Für diese Patienten übertrage ich gerne die Anregungen im Umgang mit der Depression, die Daniel Hell (1) bei den Wüstenvätern fand, auf ihre Haltung gegenüber ihrer Erkrankung.

 

Der erste Rat zur Überwindung der Depression lautet:  

 

„Annehmen und Ausharren“.

 

Übertragen auf den Patienten, der an der Multiplen Sklerose leidet, könnte das heißen, dass es ratsam sei, der Krankheit ins Auge zu schauen, sich ihr zu stellen, sie zunächst zu akzeptieren und den Mut aufzubringen, sie anzunehmen.

Als Patient erkenne ich, dass alle Fragen, die mir in diesem Zusammenhang kommen, wichtig und richtig sind und mit Hilfe des Durchhaltens zu Antworten führen können, die in vergleichbarer Weise eine Persönlichkeitsentwicklung zur Folge haben. Die Beschwerden und Störungen bekommen dadurch eine Bedeutung, die mich zur Korrektur meiner Lebenseinstellungen veranlassen kann.

 

Der zweite Rat der Wüstenväter im Umgang mit der Depression lautet:  

 

„Anders denken!“

 

Für die Auseinandersetzung mit der Erkrankung der Multiplen Sklerose kann es hilfreich sein, in dieser Phase der Erkrankung dem Patienten hervorzuheben, welche Fähigkeiten ihm vorliegen, welche Möglichkeiten zur Überwindung der Krankheitszeichen sich ihm anbieten und über welche Ressourcen er verfügt.

 

Der dritte Rat der Wüstenmönche zur Überwindung der Depression lautet:

 

„Traurig sein und weinen“.

 

Denken wir an die anthroposophische Einschätzung der Multiplen Sklerose als Sklerosekrankheit und den Hinweis von Volker Fintelmann ( 3 ) auf die „Kältung“ durch eine übermäßige geistige Bewertung der Krankheitszeichen, lernen wir den Rat zu Tränen schätzen. Sie führt dann nicht nur zur emotionalen Auseinandersetzung mit der Krankheit, sondern hat einen direkten heilenden Einfluss auf möglicherweise vorliegende Heilungsblockaden.

 

 

 

Der vierte Rat lautet:

 

„Einen geregelten Lebensrhythmus finden“.

 

Sicher ist auch diese Einsicht auf jegliche Erkrankung, vielleicht auch als normale Lebensphilosophie zu übertragen. Patienten, die an Multipler Sklerose leiden, können besonders davon profitieren, die gesamte private und berufliche Lebenssituation zu überdenken. Bei jedem Tun ist es erforderlich, zu entscheiden, ob es in der Weise sinnvoll ist, wie ich es bisher ausgeführt habe, ob die Ziele, die ich mir gesteckt habe, zu erfüllen sind. Oftmals finden wir, dass MS –Patienten darunter leiden, dass die Lähmung ihrer Arme oder Beine eine gewünschte Fortbewegung unmöglich macht. Doch scheint es einer Energieverschwendung gleichzukommen, wenn Unmögliches erzwungen wird, statt den Lebensrhythmus dem Lebensfluss anzupassen. Wenn die Frage nach der passenden beruflichen Tätigkeit oder nach der jeweiligen privaten Beziehung gestellt wird, erkennen wir, dass nicht das ‚Was arbeite ich?’ oder ‚mit wem lebe ich zusammen?’ relevant ist, sondern welche Bedeutung hat der jeweilige Beruf, die jeweilige Beziehung für mich und mein Leben. D.h., die Frage ist leichter zu beantworten: „Wie kann ich mich in diesem Beruf, in dieser Beziehung entwickeln, damit keine weiteren MS –Symptome auftreten müssen, mich auf meinem Lebensweg zu korrigieren.

 

 

Der fünfte Rat betrifft

 

das Wissen um den Tod.

 

Wir kennen aus dem 90. Psalm der Bibel die Worte: Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.

Diese Einsicht verändert das ganze Leben. Evagrius empfehle den Gedanken an den Tod als fünftes Heilmittel, schreibt Daniel Hell (1). Es sei in unserer Zeit, die Sterben und Tod möglichst aus dem Alltagsleben ausklammere, eher ungewohnt, den Gedanken an den Tod als etwas vorzustellen, was dem Leben diene. Noch ungewöhnlicher sei der Rat, zur Überwindung der depressiven Leere an den eigenen Tod zu denken. Es gehe den Wüstenmönchen allerdings nicht um eine Todessehnsucht, auch nicht darum, sich das Leben nach dem Tode vorzustellen, es gehe um das Hineinnehmen des Todes in das Leben hier und jetzt. Es gehe um die Bewusstwerdung des eigenen Todes als Notwendigkeit, das Leben zu gestalten.

 

Aus dieser Sicht mag es nicht nur möglich werden, dass ein MS –Patient seine depressiv getönten Stimmungen hinsichtlich seiner Erkrankung überwindet, sondern dass er dadurch erfahren kann, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden. Er vermag sich um das zu bemühen, was er wirklich liebt, und eine neue Wertigkeit seiner Realität erhalten.

 

Im Befolgen dieser fünf Heilmittel vermag der MS –Patient nicht nur einen Sinn in seiner Erkrankung zu erkennen, sondern diese auch zu einem neuen Bewusstsein hin zu überwinden.

 

 

ad 2) Schon die Konfrontation mit dem Beschwerdebild eines MS - Patienten mag den Arzt verwirren. Dass er die Prognose einer solchen Erkrankung zu kennen glaubt, aber die Ursache nicht, lähmt ihn noch mehr. So dürfte ihm schon die Aufklärung seines Patienten über das Ergebnis seiner Untersuchungen größte Schwierigkeiten bereiten.

 

Er kann sich von bunten Bildern und Statistiken von vermeintlichen Behandlungserfolgen blenden lassen, die das vielseitige Krankheitsbild auf eine immunologische Fehlregulation reduzieren wollen.

 

In unserer Ausbildung in der westlichen Medizin haben wir gelernt, dass nach Möglichkeit immer nur eine primäre Ursache (ein Trauma, ein Bakterium, ein Gift...) einer Erkrankung zugrunde liegt, um diese dann zu bekämpfen. Dabei mussten wir übersehen, dass die meisten Erkrankungen multifaktorieller Genese sind. Ja, dass vielleicht gerade die Vernachlässigung der Gesamtschau von multiplen Faktoren (wie Abwehrschwäche des Organismus, seelische

Konstellation...) dazu führt, dass akute Erkrankungen chronisch werden, das heißt, irreparable Störungen der Regulation hinterlassen.

 

So mag der Arzt bei der Frage des Patienten nach der Ursache seiner Erkrankung in Verlegenheit geraten.

 

Wenn Daniel Hell zur ursächlichen Erklärung der Depression sowohl genetisch/ neurobiologische, als auch persönlich/psychologische und zwischenmenschlich -kommunikative Komponenten aufzählt, so kann uns das herausführen aus dem zweidimensionalen Denken von Ursache und Wirkung. Sein Konzept lässt sich auf viele Phänomene übertragen, so auch auf das Krankheitsphänomen der Multiplen Sklerose und das der MS –Patienten.

 

Wir werden erkennen müssen, dass es die eine Ursache der multiplen Sklerose nicht geben wird. Wir müssen sicher von einer Vielzahl auslösender Faktoren ausgehen.

 

Da ich als Arzt im Bereich der sog. „Schulmedizin" keine befriedigende Behandlung anbieten kann, ist es erforderlich, nach komplementären Angeboten der umliegenden Fachdisziplinen Ausschau zu halten.

 

Dabei begegnen uns die unterschiedlichsten Ansätze:

 

Die Psychologen betonen etwa den autoaggressiven Charakter der Erkrankung oder gestörte Beziehungsmuster und suchen nach entsprechenden Konstellationen in der eventuell vorliegenden neurotischen Entwicklung, toxikologisch versierte Kollegen werden die Belastung des Nervensystems durch Schwermetalle in den Vordergrund stellen, eine klassische Homöopathin wird dem von ihr speziell gefundenen Konstitutionsmittel den Vorrang geben, ein Rutengänger spricht von der geopathischen Belastung des Schlaf- oder Arbeitsplatzes und so weiter. In der traditionellen chinesischen Medizin (4) gehen wir von einer Disharmonie des Zusammenwirkens der Elemente „Erde" und "Holz" vor dem Hintergrund einer möglicherweise primären Nieren – Yang - Schwäche aus. Die anthroposophisch ergänzte Medizin spricht von der „Kältung“ durch Dominanz des Bewussten (Intellekt) gegenüber unbewussten Seelenlebens (Empfindung) am Nervensystem, klimatische und ernärungsbedingte Einflüsse der Sklerosekrankheit und deren Folgen auf körperlichem, seelischen und geistigen Gebiet (3).

Wer hat nun Recht, wer hat Unrecht, oder besser gefragt, welcher Ansatz hilft welcher Patientin und welchem Patienten am ehesten?

 

MS – Patienten neigen (3) zu einer Missachtung ihrer emotionalen Realität. Sie überbewerten von ihrer Anlage und Erziehung her die geistigen Potentiale und suchen daher entsprechende Konfliktlösungsmuster. Wenn allerdings das Auftreten von Krankheitszeichen Anlass gibt, sich infrage zu stellen, so ist damit bereits die Voraussetzung geschaffen zu einer emotionalen Nachreifung, die über die psychosomatische Deutung ihrer Symptome zu einem erweiterten Körperbewusstsein führen kann.

 

Eine einseitige ursächliche Betrachtungsweise wird eine ebenso einseitige Behandlungsform zur Folge haben, wie sie die gegenwärtige, überall praktizierte sogenannte Immunmodulation anbietet.

 

Gehen wir aber von den Begriffen ‚multipel’ oder ‚disseminiert’ aus, so wird ein diagnostischer und therapeutischer Ansatz mit einem möglichst offenen und weiten Wahrnehmungsfeld für alle Eventualitäten der MS – Patienten der wohl am meisten geeignete sein.

 

Es liegt nahe, hier einen naturheilkundlichen Ansatz zu wählen. Dieser bietet ein nach Möglichkeit ganzheitliches Krankheits- und Gesundheitsverständnis und vermeidet so die Enge des Blickes auf eine spezielle Symptomatik. Er vertraut auf die Selbstheilungskräfte eines jeden Organismus und hat das Ziel, diese in ihrer Regulation zu unterstützen, und vermeidet die Symptomunterdrückung.

 

Im Übrigen wissen wir seit Heisenberg, was wir suchen, werden wir finden.

 

Als diagnostische Hilfe bietet sich die Physioenergetik nach Raphael van Assche zur Untersuchung an, da sie, gezielt eingesetzt, rasch effektive Behandlungsaufträge an den Behandler liefert, die sich jederzeit überprüfen lassen (5).

 

Wenn es gelungen ist, den Patienten, der an Multipler Sklerose erkrankt ist, mit Hilfe dieses physioenergetischen Tests (6) von einer Reihe von schädigenden Einflüssen weitestgehend zu befreien, wenn Schadstoff-, Viren – und Parasitenbelastung, sowie unerlöste seelische Konflikte im Sinne von Dr. med. D. Klinghardt psychokinesiologisch behandelt werden konnten, und wenn auch die Überlegungen zu den Miasmen nach Schimmel (7) Berücksichtigung fanden, dann kommt, um mit Prof. Schimmel zu sprechen, „die Stunde der Wahrheit“, dann entsteht bei verbleibenden unterschiedlichen Symptombildern die Frage, welche Schäden der Erkrankungsprozess bereits angerichtet hat, und es leitet sich daraus die zweite Frage ab, sind diese Schäden reparabel? Welche Mittel stehen uns zur Verfügung?

 

                                            

Eine besondere Bedeutung kommt in dieser Behandlungsphase der Craniosacraltherpie zu.

 

Der Kinderarzt Rudolf Merkel, Zürich, gab der cranialen Osteopathie unter anderem eine eigene besondere Prägung, indem er den biomechanischen mit dem biodynamischen Ansatz verbindet. Dabei bilden der strukturelle Aspekt mit den anatomischen Grundlagen, der rhythmische Aspekt mit den craniosacralen Bewegungen und der psychosomatische Wirkmechanismus eine praktische Einheit (8. persönliche Mitteilung).

 

Vor diesem Hintergrund entwickelte ich mit meinen MS –Patienten das Konzept der         „neuroviszeralen Osteopathie“(9).

 

Durch die craniosakraltherapeutische Arbeit mit MS – Patienten machte ich unterschiedliche Beobachtungen und Erfahrungen, wenn ich mit meiner Aufmerksamkeit Nervenstrukturen unter der begleitenden Kontrolle des Craniosakral – Rhythmus beobachtete.

 

Es ist für den Craniotherapeuten erforderlich, sich auf die jeweiligen Strukturen, die er untersuchen und behandeln will, einzustellen. Es ist möglich, den Strukturen und Funktionen des Nervensystems die gesamte Aufmerksamkeit entgegen zu bringen.

Dabei kann es zum Beispiel gelingen, eine unterschiedliche Konsistenz des Liquors zu spüren.

 

Es hat sich bei der Untersuchung von Patienten mit multipler Sklerose immer wieder gezeigt, dass in Bereichen von akuten Entzündungen die Viskosität des Liquors zuzunehmen scheint.

Dieser Eindruck entsteht dadurch, dass die entgegengebrachte Aufmerksamkeit in bestimmten Bereichen des Nervensystems vom Gewebe des Patienten festgehalten zu werden scheint oder sich der Fluss der Aufmerksamkeit verzögert.

Auch in Bereichen, in denen aufgrund früher durchgemachter Entzündungen Narben zu vermuten sind, lässt sich dieses Phänomen beobachten (9).

 

Bei der Patientin, bei der mir eine scheinbare Änderung der Liquorkonsistenz erstmalig auffiel, ergab sich bei der aufmerksamen Betrachtung des Wirbelkanals eine Besonderheit: Meine vom Kontakt der Beine ausgehende, nach kranialwärts gerichtete Aufmerksamkeit schien auf der linken Seite im mittleren Thoraxbereich abgebremst zu werden, während sie sich auf der rechten Seite ungestört kranialwärts ausbreitete. Als ich der Patientin nach Abschluss der Behandlung meine Beobachtung mitteilte, gab sie an, dass sie in dem genannten Bereich ein Wärmegefühl verspürt habe, und dass vor Jahren die ersten Ausfälle ihrer Erkrankung auf Störungen in diesem Bereich zurückgeführt worden waren.

 

Meine Erfahrung in der Arbeit hat sich zwischenzeitlich wiederholt bestätigt, dass beim Erreichen einer Läsion im Nervensystem durch freie Aufmerksamkeit der Cranio-Rhythmus aussetzt. So als ob sich der Körper in einem Schockzustand befindet, wenn er an die Läsion erinnert wird. John E. Upleger unterscheidet einen „Stopp“ von einem Still point: „Es ist mehr ein schreiender Halt. Dieser Stopp kommt, wenn zum Beispiel der Klient eine Körperposition einnimmt oder in eine Position gebracht wird, die mit einem traumatischen Erlebnis gekoppelt ist. Upleger nennt diesen Stopp „significant detector“ (10).

 

Das Anhalten des CR bei einer derartigen Betrachtung einer Läsion im Nervensystem hat für mich mehr zu tun mit einem Luftanhalten im Zustand eines Schockes, mit gespannter Ruhe, mit Erinnerung an ein traumatisierendes Erlebnis, eben eines Entzündungsvorganges – oder eine Reaktion auf ein schädigendes Agens, das dann mit Entzündung des Nervengewebes beantwortet wurde oder wird.

 

Gelingt es nun, in diesem Bereich der Störung bei möglichst exakter Kenntnis der strukturellen und funktionellen Gegebenheiten die Qualität der Aufmerksamkeit dahingehend zu verändern, dass der Cranio-Therapeut seine Vorstellungen von gesunden Strukturen und Funktionen dieses lädierten Bezirkes in seinem Bewusstsein bereithält, so kann er einerseits nach einem gewissen notwendigen und scheinbar erforderlichen Zeitraum das Wiedereinsetzen des Cranio-Rhythmuses beobachten und andererseits vom Patienten erfahren, dass sich seine Symptome und Beschwerden gebessert haben. Diese lassen sich mit dem beachteten Ort der Läsion in Einklang bringen. Auch sind wohl umgekehrt Rückschlüsse möglich von dem Behandlungsergebnis auf den Ort der Läsion.

 

Die Regulation des dreiteiligen autonomen Nervensystems nach St. PORGES (11) scheint zusätzlich sehr hilfreich zu sein.

 

Ich habe nun einige Behandlungszugänge erfahren dürfen, mit denen es gelingt, Sensibilitätsstörungen und Lähmungen, insbesondere spastische Lähmungen zu lindern und Koordinationsstörungen auszugleichen. Der Erfolg dieser Behandlungsergebnisse ist sehr unterschiedlich und wohl abhängig von den Regulationsmöglichkeiten des Patienten. Einige Erfolge dauern nur 2 – 3 Tage, andere bringen tatsächlich eine bleibende Kompensation.

 

Zusammenfassend kann sich ein Arzt durch seinen an MS erkrankten Patienten anregen lassen, über seinen Tellerrand zu schauen nach komplementären Behandlungsansätzen, um diese in seinem möglichst ganzheitlichen Behandlungskonzept zu berücksichtigen. Auf diese Weise entwickelt sich aber auch der Arzt weiter, erreicht eine Gesamtschau seines Patienten und erhält auch von sich eine angemessene Vorstellung.

 

 

ad 3)   Daniel Hell gibt Anregung, über den „kulturellen Sinn der Depression“ nachzudenken. So sei die Frage gestellt: Macht die „Multiple Sklerose“ als Phänomen einen kulturellen Sinn?

 

Mir wurden vor einigen Jahren zwei Patientinnen vorgestellt, die im Rahmen einer Quecksilber- Ausleitungsbehandlung durch DMPS Krankheitssymptome aufwiesen, die sehr an das Vorliegen einer Multiplen Sklerose erinnerten. Ich selbst hatte eine MS –Patientin, die nach einmaliger Einnahme einer Tablette Quecksilber D 12 für einige Tage mit einer Zunahme einer Lähmung im linken Arm reagierte.

 

Antonie Peppler (12) beschreibt die Lebenssituation des Mercurius solubilis – Menschen:

„Selbstwert und Eigenstruktur sind noch nicht entwickelt. Ein äußerer, fester Rahmen wird zur Existenz benötigt. Äußere, von anderen kommende Struktur wird als Ersatz für die fehlende eigene Struktur angenommen. Individualisierung findet kaum statt, da die Pflichten und Sicherheiten der angenommenen äußeren Struktur nicht so leicht aufgegeben werden. Das Image einer Gruppe oder das Selbstwertgefühl einer anderen ist die Sicherheitsgrundlage“

 

Ob der Zahnarzt wohl an die gesellschaftlichen Folgen denkt, die der Einsatz des Quecksilbers bei seinen Patienten bewirkt.

 

Daunderer (13) ging der Frage nach, warum Zahnärzte als besonders Betroffene auf die Risiken einer Amalgamvergiftung so unengagiert reagierten. Dabei fiel ihm auf:

-         „Ihre Organbefunde waren um so ausgeprägter, je stärker der Hausstaub in der Praxis quecksilberbelastet war,

-         Je stärker die Vergiftung war, desto eher wurde die Vergiftungsquelle vom Betroffenen als ungefährlich eingeschätzt,

-         Je ausgeprägter eine toxische Hirnschädigung im Kernspintomogramm nachgewiesen werden konnte, desto uneinsichtiger zeigte sich der Zahnarzt gegenüber Vorschlägen zur Vermeidung des Vergiftungsrisikos.“

 

Sicher gibt es noch weitere Quellen einer Schwermetallvergiftung. Da der individuellen Bewusstseinsentwicklung aber eine besondere Bedeutung zukommt, stehen die persönlichen Folgen und Konsequenzen einer Metallvergiftung im Vordergrund der Sanierung.

 

Wenn – nach Bertelsmann – die Kultur die Gesamtheit der Lebensformen einer menschlichen Gruppe darstellt, können wir erahnen, welche Lebensformen Menschen in einer Amalgam –freien Ära entwickeln könnten.

 

- Volker Fintelmann (3) fragt in seiner Schrift zur Multiplen Sklerose: „Einzelschicksal oder Zeitenschicksal?“ Aus seinem anthroposophischen Verständnis leitet er eine „Diätetik“ für Leib, Seele und Geist ab. Er „möchte Einsichten vermitteln, ihr (der MS) Wirken auf ein Ungleichgewicht von „kältendem Intellekt“ und wärmender Emotionalität zu durchschauen, die daraus entstehenden krankmachenden Vorgänge am Nervensystem zu verstehen und eine rationale Therapie entstehen zu lassen, in welcher der Betroffene aktiver Mitstreiter wird, den wiederum verständnisvolle Helfer begleiten, ihm raten und – wo nötig – für bestimmte Zeiten begleiten.“ Fintelmann spricht damit eine besondere Form der Eigenverantwortlichkeit des Betroffenen und eine besondere Form der therapeutischen Begleitung an, die zu einem kulturellen Gut werden könnten.

 

Der multifaktorielle Ansatz als diagnostische und therapeutische Maxime spezieller medizinischer Phänomene erfordert die Berücksichtigung unterschiedlicher Behandlungsansätze, die sich nicht nur auf das Wissen und die Erfahrung des jeweiligen Behandelnden stützen, sondern in dem Moment der Begegnung zwischen Behandler und Patient entsprechend der vom Patienten gegebenen Priorität Anwendung finden. Das heißt in der Praxis, der Patient sucht und findet - sicherlich überwiegend unbewusst - seinen Behandler mit den für ihn optimalen Fähigkeiten zu dem für ihn optimalen Zeitpunkt.

Der Patient steht damit im Mittelpunkt seiner Heilung, wir suchen und lösen seine Blockaden und unterstützen und begleiten seine Selbstheilungskräfte.

 

Daraus resultiert die Forderung nach einer humanistischen Medizin mit dem Bestreben, das Individuum aus der Enge des mechanistischen Behandelns herauszulösen, das nur auf das Funktionieren in einem bestimmten System hin ausgerichtet ist und seine Heilung nie erreichen kann. Der Patient kann auf diese Weise seiner eigentlichen Bestimmung mit dem Recht auf Wissen, der Freiheit zur Entscheidung und Selbstverantwortlichkeit zur Entfaltung seiner Persönlichkeit und Erweiterung seines Bewusstseins näherkommen.

 

 

(1)          D. Hell. Welchen Sinn macht Depression?, Rowohlt Tabu, 2006

(2)          D. Klinghardt, Lehrbuch der Psychokinesiologie, Bauerverlag 2003

(3)          V. Fintelmann, Multiple Sklerose, Einzelschicksal oder Zeitenschicksal? In Beiträge für bewusste Lebensführung Heft Nr. 172, 2002

(4)          H. Faltz, Das Krankheitsbild der Multiplen Sklerose und deren Behandlung mit Ohrakupunktur in Akupunktur, Theorie und Praxis, 24. Jahrg., Helft 2/1996

(5)           R. v. Assche, Cranio-sakrale Therapie und Physioenergetik in Rossaint u.a. Das cranio-sakrale System, Hütlig Buch Verlag, Heidelberg 1991, S 27 ff

(6)            H. Faltz, Multiple Sklerose und Physioenergetik in EHK, S334 ff, Band 51.1.2002

(7)            H.W.Schimmel, Miasmen und andere pathogene Informationen des Menschen in EKH S.315 ff, Bd. 51,5,2002

(8)              R. Merkel, siehe unter www.cranioschule.ch

(9)              H. Faltz Neuroviszerale Osteopathie – eine Behandlungsmöglichkei8t der Multiplen Sklerose? in Osteopathische Medizin 4 Jahrg., Heft 4, S 4-7, 2003

(10)                      J.E. Upleger, Lehrbuch der CranioSacralen Therapie, Band !!, S221,deutsche Ausgabe 2002

(11)                      Komplette Porges Biographie & Bibliographie: www.psych.uic.edu/faculty/porges.htm, siehe auch www.energyschool.com

(12)                      A. Peppler, Die psychologische Bedeutung homöopathischer Arzneien CKH Verlag Band 1, 284-285, 1998

(13)                      M. Daunderer, Gifte im Alltag, Verlag C.H. Beck, München, S 47,1995

 

Harald Faltz, Arzt für Neurologie und Psychiatrie, Psychotherapie, Naturheilverfahren,

Am Schmiedeberg 9, 28832 Achim, www.faltz.com

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Nervenfacharztpraxis  

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Zum 1.10.2013 habe ich die Zulassung als Kassenarzt zurückgegeben, praktiziere aber privatärztlich weiter.

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