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Der Mandelkernkomplex in der neuroviszeralen Osteopathie

Harald Faltz, 2014

 

 

Zusammenfassung:

 

Der Mandelkernkomplex vermittelt mit seiner zentralen Stellung im limbischen System Verhaltensweisen des Menschen nach traumatischen Erlebnissen. Seiner Behandlung kommt im Rahmen der neuroviszeralen Osteopathie eine besondere Bedeutung zu. Die Aufteilung der nach physioenergetischer Testung nach Raphael van Assche gewonnenen Indikation der Behandlung des Mandelkerns nach psychisch und neurologisch erkrankten Patienten ergab zum einen eine auffällige Gewichtung für die Diagnosen der akuten und posttraumatischen Belastungsstörung, der Somatisierungsstörung und der Depression,  zum anderen aber auch für die Diagnose der Multiplen Sklerose. Der osteopathischen Behandlung des Mandelkernkomplexes sollte bei Patienten mit den vorliegenden Krankheitsbildern  eine besondere Beachtung zukommen.

 

Schlüsselwort: Neuroviszerale Osteopathie, Amygdala, Multiple Sklerose, posttraumatische Belastungsstörung, Physioenergetik nach R. van Assche

 

Summary:

The amygdala complex mediated by its central position in the limbic system human behaviors after traumatic experiences. His treatment is of particular importance in the context of neuro-visceral osteopathy. The distribution of the recovered with the physioenergetic testing (Raphael van Assche, Wien) indication of the treatment of the amygdala to the psychically and neurologically ill patients resulted to a special importance for the diagnosis of acute and post-traumatic stress disorder, somatization disorder and depression, on the other hand for the diagnosis of multiple sclerosis. The osteopathic treatment of the amygdala complex should be given special attention to patients with these disorders.

Keyword: neuro visceral osteopathy, amygdala, multiple sclerosis, post-traumatic stress disorder, physioenergetic by R. van Assche

Einleitung:

 

Nach der Erhebung der Anamnese und der Untersuchung des Patienten richtet sich die neuroviszeral osteopathische Behandlung dem Beschwerdebild entsprechend nach der Intuition des Behandlers vor dem Hintergrund der physiologischen und pathophysiologischen Zusammenhänge. Als Unterstützung der Intuition kann eine kinesiologische Untersuchung hilfreich sein. Eine besondere Praktikabilität ergab sich für den Autor bei der Anwendung der physioenergetischen Testung nach Raphael van Assche mit Hilfe des Armlängendifferenztestes. Für die vorliegende Arbeit wurde untersucht, bei welchen Krankheitsbildern der „Mandelkernkomplex“ ein positives Testergebnis zeigte und zu einer entsprechenden neuroviszeral osteopathischen Behandlung führte (1).

 

Methode:

 

Der Armlängenreflex nach Raphael van Assche

Raphael van Assche berichtete, er habe bei der osteopathischen Untersuchung einer Patientin mit Hilfe des Muskelkettentestes der beiderseitigen Iliopsoasmuskeln eine scheinbare Armlängendifferenz entdeckt. Die „Armlängen“ werden vom Untersucher überprüft, indem der auf dem Rücken liegende Patient seine Arme über den Kopf leicht gestreckt hält. Der Armlängendifferenztest stellt eine äußerlich sichtbare Reaktion des Menschen auf einen Reiz hin dar, der ihm Stress bereitet, und den er nicht regulieren kann. Die Polarität der beiden Hirnhälften sei gestört, ihr ergänzendes Zusammenspiel nicht möglich. (2)

 

„Mit zunehmender Reizgröße und in Abhängigkeit von der Sensibilität der gestressten Substrate werden immer mehr Systeme und auch immer höhere Stufen der Regulationsphysiologie angesprochen (von den Muskelspindeln und den Golgi- Organen über das Rückenmark bis zu Thalamus, Hypothalamus und Cerebellum).Infolge  Vernetzung bestehen dabei intensive Interaktionen zwischen humoral- hormonellen Regelvorgängen einerseits und Sensomotorik inklusive vegetatives Nervensystem sowie Gammamotorik andererseits. Chronische Vorbelastungen führen zu mangelnder Integrationsfähigkeit. Diese kann zu einer reflektorischen Armlängen- Differenz führen. Auf das richtige Angebot des Therapeuten für eine effektive Behandlung wird der Patient mit einem Armlängenausgleich reagieren.“ (3)

Für die Behandlungen der Patienten, die unter psychischen und neurologischen Krankheiten leiden, ist der Test besonders geeignet. Der jeweilige Krankheitsverlauf ist oftmals sehr heterogen und auch durch spontane Remissionen gekennzeichnet, so dass ein Behandlungserfolg nur begrenzt am Beschwerdebild und an der Symptomatik überprüft werden kann. Mit dem physioenergetischen Test nach Raphael van Assche gelingt es, den Einfluss der Behandlung auf das Regulationssystem des Menschen zu erkennen.

 

Bei der vorliegenden Arbeit ergab die Testung der Patienten einen Ausgleich ihrer Armlängen- Differenz auf das Angebot des Therapeuten hin, mit dem Mandelkernkomplex neuroviszeral osteopathisch zu arbeiten.

 

Der neuroviszeral osteopathische Zugang zum Mandelkernkomplex:

Der Praktizierende sitzt hinter dem Kopfende der auf dem Rücken liegenden Klientin. Nach einer Einstimmung in die neuroviszeral osteopathische Arbeit sucht er mit der Zeigefingerbeere etwa 1 ½ Querfinger vor dem oberen Ohransatz eine kleine Vertiefung über dem Jochbeinansatz des Schläfenbeins auf. Nach einiger Zeit  ist in der Tiefe des Gehirns beidseits eine kreisförmige Bewegung zunächst nach dorsal, dann nach superior und nach anterior wahrzunehmen, entsprechend den Nervenbahnen, die vom Mandelkern über den Hippocampus und die Fornix zum Hypothalamus und wieder zum Mandelkern verlaufen. Diese Bewegung kann zunächst auch einseitig und anfangs nur zögerlich beginnen und dann in eine kontinuierlich kreisende Bewegung übergehen. Die Behandlung ist mit einem ausgleichenden Griff zu beenden.

Die Patienten gaben in der Folge der Behandlungen befreiende Erkenntnisse aus dem Schlaf- und/ oder Tagbewusstsein an oder einfach nur spezielles Wohlergehen. Eine Retraumatisierung wurde in keinem Fall beobachtet. Die Patienten boten bei erneuter Testung keine Armlängendifferenz mehr.

Es wurde untersucht, welche Erkrankungen den jeweiligen Armlängen- Differenzen der Patienten zugrunde lagen.

 

Befunde:

 

Untersucht und behandelt wurde das Patientenkollektiv einer Nervenarztpraxis, die mit ihrem Behandlungsangebot überwiegend naturheilkundlich ausgerichtet ist.

In dem Zeitraum von September 2011 bis November 2013 beantworteten insgesamt 507 Patienten im physioenergetischen Test das Angebot einer neuroviszeral osteopathischen Behandlung, ausgehend vom Mandelkern, positiv. Das heißt, dass die Armlängen- Differenz der Patienten auf das Angebot des Therapeuten hin, den Mandelkernkomplex neuroviszeral osteopathisch zu behandeln, einen Ausgleich der Arme bot.

Bei der Dokumentation wurde unterschieden zwischen der Anzahl der Patienten pro speziellem Krankheitsbild, die behandelt wurden, und der Anzahl der neuroviszeral osteopathischen Behandlungen des Mandelkernkomplexes der jeweiligen Patienten.

 

Dabei ergaben sich folgende Verteilungen:

 

 

Pat.- Anzahl

%

Behandlungszahl

%

- gesamt:

507

100

1769

100

psychiatr.. Diagnose

287

 56

758

 42

- F32…, F33…., F48

57

11

106

6

- F40…, F41…

39

7

116

7

- F43.0, F43.1, F43.2

97

19

316

18

- F45…., F54

80

16

175

10

- sonst.

14

3

45

2

 

 

 

 

 

neurolog. Diagnose

193

38

944

53

- MS

132

26

775

44

- Migräne

18

4

30

2

- Epilepsie

14

3

53

3

- sonst

29

6

86

5

 

 

 

 

 

andere Diagnosen

27

6

67

4

 

 

 

Von den 507 Patienten hatten 287 Patienten eine primär psychiatrische Diagnose, bzw. Hauptdiagnose. Diese Patienten wurden unterteilt in 4457 Patienten entsprechend der ICD- 10 – GM 2004 – Diagnose- Ziff.  F32…, F33… und F48.0. Bei diesen Patienten stand die depressive Symptomatik im Vordergrund. 39 Patienten litten unter Ängsten und Panikzuständen, entsprechend der ICD- Diagnosen F40.. und F41…97 Patienten zeigten Beschwerden aufgrund einer akuten Belastungsreaktion, einer posttraumatischen Belastungsstörung oder einer Anpassungsstörung, entsprechend der ICD-Diagnosen F43.0, F43.1 und F43.2. 80 Patienten litten unter autonomen somatoformen, resp. psychosomatischen Störungen, entsprechend der ICD – Diagnosen F45… und F54. 14 Patienten hatten andere psychiatrische Erkrankungen.

193 Patienten  hatten eine primär neurologische Diagnose, bzw. Hauptdiagnose. Darunter waren 132 Patienten mit unterschiedlich fortgeschrittenen Verläufen einer Multiplen Sklerose.  18 Patienten litten unter Migräne, 14 Patienten unter Epilepsie, 29 Patienten unter anderen neurologischen Erkrankungen.

Darüber hinaus ergab sich bei 27 Patienten die Indikation zur neuroviszeral osteopathischen Behandlung bei anderen, nicht primär neurologisch oder psychiatrisch begründeten Erkrankungen.

 

Die Dokumentation der Anzahl von Behandlungen ergab bei den 507 Patienten insgesamt 1769 neuroviszeral osteopathische Behandlungen des Mandelkernkomplexes.

Von diesen entfielen auf Patienten mit primär psychiatrische Diagnosen: 758 Behandlungen, davon 106 Behandlung depressiver Patienten (entsprechend ICD F32…, F33… und F48), 116 Behandlungen von Patienten mit Ängsten oder Panikzuständen nach ICD – Ziff. F40… und F41…, 316 Behandlungen von Patienten mit Beschwerden aufgrund einer akuten Belastungsreaktion, einer posttraumatischen Belastungsstörung oder einer Anpassungsstörung, entsprechend ICD F 43.0, F43.1 und F43.2, 175 Behandlungen von Patienten mit  autonomen somatoformen, resp. psychosomatischen Störungen, entsprechend der ICD – Diagnosen F45… und F54 und 45 Behandlungen von Patienten mit anderen psychiatrischen Erkrankung.

Auf die 193 Patienten  entfielen bei primär neurologische Diagnose, bzw. Hauptdiagnose insgesamt 944 Behandlungen des Mandelkernkomplexes. Darunter waren bei den 132 Patienten mit unterschiedlich fortgeschrittenen Verläufen einer Multiplen Sklerose insgesamt 775 Behandlungen indiziert. 18 Migränepatienten erhielten 30 Behandlungen, 14 Epilepsiepatienten  30 Behandlungen. 86 Behandlungen erhielten Patienten mit anderen neurologischen Erkrankungen.

Bei den oben genannten 27 Patienten mit anderen, nicht primär psychiatrischen oder neurologischen Erkrankungen ergaben sich insgesamt 67 Behandlungsaufträge.

 

 

 

 

Abb.: Pat.-Anzahl                                                           Abb.: Behandlungszahlen

 

 

 

 

 

Diskussion:

 

 

Der Mandelkernkomplex in der Medizin

 

„Das limbische System wird von vielen Autoren immer noch als neurale Grundlage von emotionalem Verhalten angesehen. Doch nicht das limbische System als ganzes, sondern ein zum limbischen System zu zählendes Gehirngebiet, die Amygdala (Mandelkern), stellt ein wichtiges neuroanatomisches  Substrat für emotionale Reizbewertung und Reaktionsauslösung dar.

„Zu unterscheiden sind, Efferenzen und Afferenzen der Amygdala. Ursprung der sensorischen Eingänge der Amygdala sind Gebiete sensorischer Informationsverarbeitung im Kortex und im Thalamus.  Da die thalamischen Eingänge die Amygdala vor oder mindestens gleichzeitig mit kortikalen Eingängen erreichen, kann eine präkognitive und unbewusste emotionale Reizverarbeitung stattfinden. Dabei gelangen vorverarbeitete sensorische Informationen verschiedener Modalitäten über subkortikale thalamische Projektionsbahnen zur Amygdala. Zusätzlich zu diesen thalamischen Eingängen erhalten die einzelnen Amygdala- Untereinheiten Informationen von kortikalen assoziativen Gebieten der verschiedenen sensorischen Modalitäten sowie Informationen aus dem visuellen Kortex. 

Der Amygdala - Komplex hat vielfältige Efferenzen, über die emotionale autonome Reaktionen und emotionales Verhalten ausgelöst werden können.“ (4.)  

Die bewusste Planung von Bewegungen geht primär wahrscheinlich vom limbischen System aus, das über den Mandelkern, oft mit einer emotionalen Tönung die Rindenzentren und die subkortikalen Kerngebiete erregt und damit die sensomotorischen Systeme zur Durchführung spezifischer, für bestimmte Verhaltensweisen typischer Bewegungsprogramme veranlasst… Im Mandelkernkomplex werden also komplexe sensorische  Informationen aus Umwelt und Innenwelt mit entsprechenden Gedächtnisinhalten verbunden und für bestimmte Bewegungsformen und Erkenntnisprozesse, meist mit einer Gefühlskomponente, verwendet (5).

 

„Durch traumatische Ereignisse kommt es zu strukturellen und funktionellen Veränderungen in zentralen Gehirnstrukturen.  Der Hippocampus hat bei Patienten mit Depression oder posttraumatischer Belastungsstörung eine geringere Größe. Bei Opfern von Kindesmisshandlung könnte eine hyperreaktive Amygdala die Entwicklung einer Depression beeinflussen… Entsprechend der Auswertung … waren emotionaler Missbrauch und emotionale Vernachlässigung die stärksten Prädiktoren für eine hyperreaktive Amygdala, gefolgt von physischem Missbrauch, physischer Vernachlässigung und sexuellem Missbrauch. (6)

„Neueren Untersuchungen zufolge können posttraumatische Belastungsreaktionen auch nach schwerer Hirnschädigung mit Komazuständen auftreten. Bei „Bewusstlosen“ wird das Bedrohungspotenzial des Traumas auf implizitem Wege durch Amygdala - assoziierte Vorgänge emotional bewertet und in das Körpergedächtnis eingeschrieben. (7)

 „Amygdala kommt eine zentrale Schaltfunktion für die Vermittlung von stressassoziiertem Verhalten, wobei ein glutamaterger Input vom Thalamus zur lateralen Amygdala eine entscheidende Rolle spielt. Weiterhin vermittelt die zentrale Amygdala Informationen über den Bedrohungsgrad des Organismus an das zentrale Höhlengrau“(8).

„Mehrere Bildgebungsuntersuchungen unterstreichen die Bedeutung des medialen präfrontalen Kortex und der Amygdala im Zusammenhang mit dissoziativer Symptomatik.“

„Schließlich fand sich bei Patienten mit multipler Persönlichkeitsstörung ein um mehr als 30 % reduziertes Amygdala-Volumen (9)

 

Der Mandelkernkomplex wird in der craniosakralen Osteopathie von Michael Shea in besonderer Weise beschrieben:

„.. die Amygdala  stellt eine … beidseitige Struktur dar, im Temporallappen. Es besteht aus elf Ganglienkernen.  Die Kerngebiete  stellen Zellhaufen dar mit unterschiedlichen Funktionen. Jede Amygdala hat die Form einer Mandel.   Sie liegt am tiefsten Punkt des gesamten, sich selbst regulierenden, emotionalen Systems.  Wenn wir die hufeisenförmige Struktur weiter verfolgen  zu dem limbischen System,  dann ist die Amygdala zuerst verbunden mit einer Struktur, die Hippocampus genannt wird. Dieser Teil des Hufeisens umrundet an der Rückseite den Thalamus und geht in die Fornix über. Diese stellen ein sehr kräftiges, dickes Band von verbindenden Neuronen dar, die Informationen von der Amygdala und dem Hippocampus nach vorn bringen in den vorderen Teil des Hufeisens bis  zum gyrus cinguli, zum Hypothalamus und ebenso zum präfrontalen Kortex zur Spitze des limbischen Systems.“

„Die Hauptaufgabe dieser Kerngebiete in der Amygdala  ist auf die Wahrnehmung von Furcht („fear“)  ausgerichtet.  Informationen der Wahrnehmung kommen herein und der Amygdala kommt die Aufgabe zu, diese mit früheren Erfahrungen zu vergleichen. Die Bedeutung der Aufgabe, oder sein Wert, wird weitergeleitet zum Hippocampus, dann zu der Fornix, dem Gyrus cinguli, dem Hypothalamus und zum präfrontalen Kortex.“ 

„Die Hauptaufgabe der Ganglienkerne der Amygdala auf der linken Seite ist die Ausrichtung auf die Wahrnehmung von Angst in den Worten der Leute, die uns umgeben, und auf der rechten Seite ist die Wahrnehmung von Gesten der Arme, Körperbewegungen, Gesichtausdruck der Leute um uns.  Mit anderen Worten, wie ich jemanden anschaue oder ihm zuhöre,  bin ich stets dabei, unbewusst zu erkennen, ob ich mich ängstigen muss oder nicht.  Dies wird die Theorie von der Erwartung genannt.  Meine Erwartungen sind entstanden während der vorgeburtlichen Zeit und während der Zeit um die Geburt herum als ausdrückliche und stillschweigende (bewusste und unbewusste) Erinnerung.  Diese Funktion beginnt in der Amygdala und ist verbunden mit tieferen  Strukturen zur Verteidigung in unserem Hirnstamm, dem Aktiv- Hirn, dass MacLean das Reptiliengehirn genannt hat, wegen seiner archaischen  Verteidigungsmuster (MacLean 1993). Die Amygdala wird durch unsere frühesten Erfahrungen geprägt…

……  Die Amygdala ist die erste limbische Struktur, die ihre Funktion aufnimmt, schon vor der Geburt, zu Beginn des dritten Trimenons. Es stellt das erste funktionierende Zentrum im kindlichen Gehirn dar für die ersten drei Monate nach der Geburt. Es ist außerordentlich wichtig, um die Amygdala zu verstehen.  Sie nimmt Informationen von außen auf, von Personen der Pflege und deren Umgebung, einschließlich anderer Leute, und kann es speichern wie eine Art von früher Information gerade wie ein sechster Sinn, und übermittelt es gerade zum Hippocampus, wenn sie zu irgendeinem Zeitpunkt getriggert wird. Die Hauptsache, an die man im Zusammenhang mit dem Hippocampus denken muss, ist, wenn Informationen von der Amygdala zum Hippocampus gelangen, dann speichert der Hippocampus die Erinnerung, wie in einem Nervennetzwerk in der rechten Gehirnhälfte.“

Der Amygdala  kommt eine große Bedeutung zu, für eine posttraumatische Erkrankung (PTBS) empfänglich zu werden. (10)

„Die Amygdala ist der aktivste Teil des kindlichen Gehirns im letzten Trimenon der Schwangerschaft in den ersten drei Monaten nach der Geburt.  Es stellt den Kern dar zwischen Kortex und limbischem System. Entfachen (Kindling) ist eine ständige Kraft, wenn ein Elend sich an die Amygdala und das limbische System anheftet. Es hält die Amygdala  in einem Dauerzustand, einen Zustand der Furcht auszugleichen und sich aus dem Gehirn und dem Körper heraus wirkungsvoll zu verhalten. Furcht ist die Hauptwahrnehmung und der Trigger der Amygdala.“(11)

Weitere Ausführungen von Michael Shea zur Amygdala finden sich in Band III, Kap. 31, S. 365-366.

 

Trauma

„Ein Trauma als eigenständiges Gebilde sagte uns, dass zum Loslassen eines posttraumatischen Problems das nochmalige Durchleben des ursprünglichen Traumas erforderlich sein könne. Häufig entwickeln Gewebe in einem Trauma eine Amnesie um das traumatische Ereignis. Unter Amnesie kann die traumatische Energie nicht freigesetzt werden und Symptome bleiben bestehen. Die Amnesie ist jedoch reversibel, und die Faszien können, wenn sie in die dem Trauma entsprechende Position gebracht werden, dem Gewebe dabei helfen, sich an das Erlebnis zu erinnern. Wenn das Gewebe das Trauma losgelassen hat, braucht es eventuell Hilfe, um sich daran zu erinnern, wie es zuvor ausgesehen hat.“(12)

Ein nochmaliges Durchleben eines Traumas oder eine Retraumatisierung wurde im Rahmen der beschriebenen neuroviszeral osteopathischen Behandlungen nicht beobachtet.

 

Amygdala ist die wohl wichtigste Instanz des limbischen Systems und maßgeblich an allen Funktionen des limbischen Systems beteiligt.  Sie ist auch zuständig für schnelle Affektmotorik unter Umgehung der Großhirnrinde.

Für unsere Arbeit, besonders im Zusammenhang mit Emotionen, Stress und Traumatisierung sind die Strukturen des limbischen Systems immens bedeutsame Instanzen. So braucht es bei wiederholter und längerer Stimulierung der Amygdala  durch Angst und Stress immer mehr Zeit, bis sie wieder von der Erregung herunterkommt. Unter Umständen bleibt sie in einem Zustand ständiger Erregung. Man spricht dabei auch von „kindling“ (to kindle = entfachen). Unsere therapeutische Aufgabe ist in seinem solchen Fall das „de-kindling“, das heißt, wir helfen der Amygdala, sich aus ihrem zwanghaften Erregungsmuster zu lösen. Dafür kann die direkte Zuwendung mit der Aufmerksamkeit unserer Hände oder der therapeutische Dialog sehr nützlich sein.“ (13)

Die vorliegenden Befunde konnten aufzeigen, dass die Amygdalae einen deutlichen Bezug zu den psychischen und neurologischen Erkrankungen haben.

56 % des Patientenkollektivs hatten primär eine psychiatrische Diagnose, sie stellten 42 % aller Behandlungen dar. Es ist ganz offensichtlich, dass Patienten mit einer akuten oder einer posttraumatischen Belastungsstörung den größten Anteil von 97 % aufweisen, doch auch die Patienten mit einer somatoformen Erkrankung sind mit einem Anteil von 80 (16 %) vermutlich hinzuzurechnen, wenn die Beschwerdebilder und Störungen ggf. als Ausdruck eines unerlösten seelisch traumatischen Konfliktes gesehen werden. 53 (18 %) der Patienten zeigten einen direkten Bezug  ihrer depressiven und Angsterkrankung zur Behandlung der Amygdalae. Mit einer Anzahl von 316 zeigten die Patienten mit akuten und posttraumatischen Belastungsstörungen den größten Anteil von Behandlungen psychisch erkrankter Patienten (18 %).

 

Bemerkenswert ist das Ergebnis der Untersuchung für die neurologisch erkrankten Patienten. Sie stellen zwar nur 38 % aller Patienten dar (193), der Anteil der Behandlungen an der Gesamtbehandlungszahl (1769) lag allerdings bei 53 % (944). Das heißt, dass auch diese, eigentlich primär somatisch kranken Patienten von einem therapeutischen Zugang profitieren, der zunächst als psychodynamisch beschrieben wurde.

Umso erstaunlicher ist, dass die Patienten, die unter Multipler Sklerose litten, daran den bei weitem größten Anteil (775, das sind 44 %) hatten. Das Patientenkollektiv entstammt zwar einer Praxis, die sich auf die naturheilkundliche Behandlung von MS- Patienten spezialisiert hat, diese Behandlungen aber, unter Berücksichtigung der multifaktoriellen Genese der Erkrankung, im Übrigen sehr mannigfaltig ausfallen.

Wenn die neuroviszeral osteopathische Behandlung der Amygdalae die Blickrichtung auf eine spezielle Traumatherapie lenkt, erfordern die vorliegenden Befunde eine besondere Diskussion.

Gilt es, die besonderen Ängste bezüglich des – allgemein erwarteten -Krankheitsverlaufes zu behandeln?

Im Zusammenhang mit Überlegungen zum Krankheitsbild vor dem Hintergrund der traditionell chinesischen Medizin war eine Schwäche des Nieren-Qi beschrieben worden, die den weiteren Verlauf der Erkrankung bestimmt (14). Die Angst wird als seelischer Faktor der Nierenschwäche zugeschrieben.

Oder muss dem Krankheitsgeschehen der Multiplen Sklerose eine posttraumatische  Belastungsstörung zuerkannt werden, psychodynamisch vergleichbar einer somatoformen, resp. psychosomatischen Erkrankung?

Es muss in diesem Zusammenhang betont werden, dass es in der hier vorgelegten Studie bei keiner Behandlung zu einer Retraumatisierung kam, wie es von Krebs befürchtet wurde (15), im Gegenteil berichteten viele Patienten von Lösungserlebnissen in Träumen und anderen für sie wichtigen Erkenntnisprozessen.

 

Anna Buchheim u.a. beschreiben die Amygdala neben anderen Hirnbereichen als „Genesungszentren im Gehirn“ Sie gehörten zu einem neurobiologischen Netzwerk, das insbesondere unsere Emotionen steuere. Die Autoren überprüften die Auswirkungen spezieller psychotherapeutischer Verfahren auf  die Aktivität spezieller Hirnareale. Die „Emotionszentrale“ Amygdala werde  durch das Stirnhirn nicht ausreichend im Zaum gehalten und reagiere überempfindlich. Die genauen Hintergründe seien bislang unklar(16).

 

Es bleibt festzustellen, dass die therapeutische Berücksichtigung der Amygdalae in der oben beschriebenen Weise bei neuroviszeral osteopathischen Behandlungen sowohl bei psychisch als auch bei neurologisch erkrankten Patienten, speziell solchen, die an Multipler Sklerose leiden, für den weiteren Krankheitsverlauf förderlich ist.

 

 

 

Literatur:

 

(1) H. Faltz: Osteopathische Medizin, Heft 4 2003, Seite 4 f

(2) A. Rossaint, J. Lechner, R. van Assche: Das cranio-sakrale System  1991, S. 30

(3) Johann Lechner: Störfelddiagnostik, Medikamenten- und Materialtest 1997, S. 92 f

(4) Dudel.Menzel.Schmidt: Neurowissenschaft. 2. Auflage 2001. 479

(5) Rohen: Funktionelle Neuroanatomie, 6. Auflage 2001, 162

(6) Dannlowski U, Stuhrmann A, Beutelmann V et al.: Limbic scars: long-term consequences of childhood maltreatment revealed by functional and structural magnetic resonance imaging. Biol Psychiatry 2012; 71: 286-293

(7) Zieger; Trauma, emotionale Verarbeitung und Körpersemantik am Beispiel von Koma- und Wach-Koma- Patienten – zur Bedeutung unbewusster emotionaler Verarbeitung und nonverbaler Kommunikation; Psychother. Psych. Med. 2005; 55 – S 091)

(8) K. Priebe und C. Schmahl: „Dissoziative Störungen“ Fortschr Neurol Psychiatr 2009; 77(10): 595-606,© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York 

 (9) Vermetten E, Schmahl C, Lindner S. et al .Hippocampal and amygdala volume in dissociative identity disorder. Am J Psychiatry 2006; 163: 630-636
(10 Michael Shea, Biodynamic craniosacral therapie, Band I, Seite 288 ff, übersetzt von H.F.); Michael Shea zitierte MacLean, P. 1993. Cerebral Evolution of Emotion. In Handbook of Emotions, edited by M. Lewis and J. Haviland. New York: Guilford Press.

(11) Michael Shea Biodynamic craniosacral therapie, Band III, Seite 233, übersetzt von H.F.)

(12) John E. Upledger: Im Dialog mit der Zelle- Cell talk 2006, Seite 114

(13) Ramray Ulrich Löwe; Craniosacrale Heilkunst  2005, S.274 – 275

(14) H. Faltz, Das Krankheitsbild der multiplen Sklerose und dessen Behandlung mit Ohrakupunktur, Akupunktur Theorie und Praxis, 1996, Heft 2, Seite 76 ff

(15) C.-A. Krebs, Osteopathische Behandlung bei psychischen Traumafolgestörungen, Osteopathische Medizin, 3/2013, Seite 10

(16) Anna Buchheim u.a., Das Hirn heilt mit, Gehirn und Geist, 11.2012, Seite 53.

 

 

Interessenkonflikt: Der Autor gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

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Zum 1.10.2013 habe ich die Zulassung als Kassenarzt zurückgegeben, praktiziere aber privatärztlich weiter.

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