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Die Behandlung akuter Schmerzen mit Craniosacraltherapie

(Vortrag anlässlich der Fachtagung der CranioSuisse am 22. 5.2014 in Zürich)

 

Vorbemerkung:
Es muss vorausgeschickt werden, dass akute Schmerzen Patienten selten direkt in craniosacrale
Behandlungen führen. Oftmals suchen sie den CS- Praktizierenden erst auf, nachdem die
Anwendung anderer Methoden über Monate und Jahre versagt haben, oder im Rahmen anderer
Beschwerden, die sich ggf. sekundär aus dem chronfizierten Krankheitsbild entwickelt
haben.
In jedem Fall muss der akute Schmerz vor einer craniosacralen Behandlung ausreichend diagnostisch
abgeklärt worden sein.
Ein subjektiv wahrnehmbares Leiden, (so auch das Auftreten eines akuten Schmerzes), steht
oft erst am Ende einer Kette von Fehlsteuerungen oder Verletzungen. (Merkel, Vortrag, April
2002).


Was ist Schmerz?
(Dudel, Neurowissenschaften 2001) Wirbeltiere besitzen ein neuronales nozizeptives
(Schmerzen registrierendes) System, das drohende und aktuelle Gewebeschädigungen
anzeigt und Abwehrreaktionen auslöst.
Die Nervensysteme von Wirbeltieren sind mit Neuronen ausgestattet, die bei Einwirkung noxischer,
d.h. gewebeschädigender oder potentiell gewebeschädigender Reize auf den Organismus
aktiviert werden. Die Aufnahme, Weiterleitung und Verarbeitung noxischer Information
durch das periphere und das zentrale Nervensystem wird als Nozizeption bezeichnet.
Nozizeption führt beim wachen Menschen in der Regel zu Schmerzempfindungen und zu
Reaktionen, welche die Einwirkung noxischer (Schmerz-)Reize zu vermeiden suchen. Beim
wachen Tier wird ein Verhalten ausgelöst, welches das Vorhandensein einer ähnlichen oder
identischen Reaktionsweise vermuten lässt.
Der Schmerz ist eine eigene Sinnesmodalität (Sinnesempfindung), die anderen Sinnesmodalitäten,
wie Sehen, Hören oder Riechen gleichzustellen ist. Das zugehörige Sinnessystem ist das
nozizeptive System. Dazu gehören Nervenzellen, die ausschließlich durch potentiell oder aktuell
gewebeschädigende Reize aktiviert werden (nozizeptiv spezifische Neurone) und Nervenzellen,
die sowohl durch nichtnoxische als auch noxische Reize aktiviert werden
Der Schmerz des Menschen besitzt sensorische, affektive, vegetative, motorische und
kognitive Komponenten.

Schmerzdefinition Die Definition der International Association for the Study of Pain, IASP,
lautet in deutscher Übersetzung:
"Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit aktueller oder potentieller
Gewebeschädigung verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben
wird."
Der akute Schmerz tritt für den Betr. zwar oft plötzlich und unerwartet, im größeren Zusammenhang
der Lebens-, resp. Krankheitsgeschichte aber meist nicht ohne eine entsprechende
Vorgeschichte auf.
Nach Silbernagl (Taschenbuch der Physiologie, 1991, S. 276) ist Schmerz „eine unangenehme
Sinnesempfindung, verbunden mit einem unlustbetonten Gefühlserlebnis. Er ist die Reaktion
auf die Meldung, dass den Körper im Inneren oder von Außen ein Schaden droht oder
bereits trifft (Nozizeption), wobei die Erkennung der Ursache weniger wichtig zu sein
scheint. Der viszerale Schmerz (aus den Eingeweiden) wird vom somatischen Schmerz unterschieden,
der aus der „Tiefe“ kommend (z.B. Kopfschmerz, Gelenkschmerz = Tiefensensibilität)
oder auf der Haut ( = Oberflächensensibilität, siehe auch übertragener Schmerz)
empfunden wird.
Beim zuletzt genannten Oberflächenschmerz unterscheidet man den schnell gemeldeten, ersten
Schmerz („hell“) und den (0,5 – 1 sec. später) nachfolgenden zweiten Schmerz
(„dumpf“), der länger anhält und weniger gut lokalisierbar ist. Der erste Schmerz führt vorwiegend
zu Fluchtreflexen, der zweite eher zu Schonhaltungen. Schmerzrezeptoren in Form
freier Nervenendigungen adaptieren nicht (Beispiel: tagelange Zahnschmerzen), da eine andauernde
Schädigung sonst in Vergessenheit geriete. Schädigungen entlang der Schmerzbahnen
werden so empfunden, als ob sie aus der Peripherie kämen: Projizierter Schmerz (Beispiel:
Rückenschmerzen bei Nervenquetschung durch Bandscheibenvorfall).“


Wie entsteht Schmerz?


Unterschiedliche Rezeptoren der Haut reagieren spezifisch auf unterschiedliche Reize, wie
Druck (Merkel-Zellen und Ruffini- Körperchen, Intensitätsdetektoren), Berührung (Meissnersche
Körperchen, Geschwindigkeitsdetektoren) und Vibration (Vater- Pacini- Körperchen,
Beschleunigungsdetektoren). Diese Reize werden jeweils über Nervenbahnen dem ZNS
zugeleitet, über die afferenten Nerven, die über die hintere Nervenwurzel in den Wirbelkanal
und dann in das Rückenmark eintreten. Darüber hinaus gibt es weitere Rezeptoren, die auf
Wärme- bzw. auf Kälte reagieren, und Rezeptoren, die über Gelenkstellung und Geschwindigkeit
der Stellungsänderung informieren. Diese Rezeptoren haben insgesamt die Eigenschaft,
dass sie bei extremer Reizung als Qualität Schmerz empfinden.


Zentrale Weiterleitung der Sinnesreize
Nach Silbernagl (Taschenbuch der Physiologie 1991, S. 282) erhält „das Zentralnervensystem
(ZNS) … Informationen aus der Umwelt von den höheren Sinnesorganen und über die Hautrezeptoren.
Meldungen über Körperstellung, Muskeltonus usw. kommen von den Muskel-,
Sehnen- und Gelenkrezeptoren des Bewegungsapparates und vom Gleichgewichtsorgan.“
Die Meldungen von der Haut (Oberflächensensibilität) und vom Bewegungsapparat (Tiefensensibilität)
erreichen über die Hinterwurzel das Rückenmark und laufen in diesem in folgenden
Bahnen zentralwärts:
1. Hinterstrangbahnen: Die Reize werden nicht auf Rückenmarksebene umgeschaltet,
sondern erst in den Hinterstrangkernen der Medulla oblongata. Von dort ziehen die
sog. zweiten Neuronen z.T. zum Kleinhirn, z.T. kreuzen sie auf die andere Seite und
erreichen den Thalamus. Die Hinterstrangbahnen führen die Informationen über
Druck, Berührung und Tiefensensibilität, sie sind also Bahnen für den bewusst wahrzunehmenden
sog. „Lagesinn“.
2. Die sensorischen Nerven von den Rezeptoren für Schmerz und Temperatur und ein
Teil der Druck- und Berührungsbahnen kreuzen im jeweiligen Rückenmarksegment
auf die Gegenseite und laufen im Vorderseitenstrang des Rückenmarks als Tractus
spinothalamicus durch den Hirnstamm zum Thalamus. Da diese Bahn auch den
Schmerz aus den Eingeweiden leitet, wird er häufig in den zum gleichen Rückenmarksegment
gehörenden Hautarealen ((Headschen Zonen) verspürt: Übertragenen
Schmerz (z.B. im linken Schulter- Arm- Bereich bei Sauerstoffmangel am Herzen: angina
pectoris) Diese Zonen sind daher oft auch übermäßig berührungs- und schmerzempfindlich
(Hyperästhsie, Hyperalgesie),
3. ( >Abb. 14) Die sensorischen Fasern aus der Kopfregion (n. trigeminus) enden ebenfalls
im Thalamus.
In den vorderen Anteilen des Thalamus werden die afferenten Bahnen auf das 3. Neuron umgeschaltet,
das die hintere Zentralwindung erreicht und auch andere Rindenbezirke.
Im Rahmen der Schmerztherapie – gerade auch in der Craniosacraltherapie - ist es immer
wieder notwendig, auf die besondere Bedeutung des Mandelkernkomplexes hinzuweisen.


Der Mandelkernkomplex (Amygdala) in der Medizin


(Dudel, Neurowissenschaften 2001, 479)
„Das limbische System wird von vielen Autoren immer noch als neurale Grundlage von emotionalem
Verhalten angesehen. Doch nicht das limbische System als ganzes, sondern ein zum
limbischen System zu zählendes Gehirngebiet, die Amygdala (Mandelkern), stellt ein wichtiges
neuroanatomisches Substrat für emotionale Reizbewertung und Reaktionsauslösung
dar.
„Zu unterscheiden sind Afferenzen und Efferenzen der Amygdala. Ursprung der sensorischen
Eingänge der Amygdala sind Gebiete sensorischer Informationsverarbeitung im Kortex und
im Thalamus. Da die thalamischen Eingänge die Amygdala vor oder mindestens gleichzeitig
mit kortikalen Eingängen erreichen, kann eine präkognitive und unbewusste emotionale Reizverarbeitung
stattfinden. Dabei gelangen vorverarbeitete sensorische Informationen verschiedener
Modalitäten über subkortikale thalamische Projektionsbahnen zur Amygdala. Zusätzlich
zu diesen thalamischen Eingängen erhalten die einzelnen Amygdala- Untereinheiten Informationen
von kortikalen assoziativen Gebieten der verschiedenen sensorischen Modalitäten
sowie Informationen aus dem visuellen Kortex.
Der Amygdala - Komplex hat vielfältige Efferenzen, über die emotionale autonome Reaktionen
und emotionales Verhalten ausgelöst werden können.“
Speziell Reaktionen der Flucht und des Angriffs und, wenn beides nicht möglich ist, der Erstarrung
(siehe St. Porges).
Damit kommen wir zu der Frage:


Was bewirkt Schmerz?


Je nach Ausmaß des Schmerzes kommt es zu lokalen oder generalisierten Folgen im Gewebe.
Fluchtreflex, unterdrückte Abwehrreaktionen und Schonhaltungen sind physiologische Reaktionen
des Gewebes auf eine Verletzung hin mit nervalen Umschaltungen in Rückenmark,
Mittelhirn und Kleinhirn zur Stabilisierung des durch eine Schädigung erschütterten Systems.
Sie führen zu Spannungszunahme in den Faszien und der Muskulatur mit dem Ziel, das System
vor größerem Schaden zu bewahren. Der Schmerz wird hier zum not - wendigen Signal.
Eine Unterdrückung des Schmerzes, z. B. durch Analgetika, entzieht dem Regulationssystem
und schließlich dem Bewusstsein den Sinn des Schmerzes einerseits und verhindert die Lösung
der Verspannungen andererseits. Dann verbleibt das Gewebe in der Spannung, die für
das Erlebnis zunächst physiologisch war, sich im weiteren Verlauf aber für die Funktion des
gesamten Systems als eher hinderlich auswirkt.

Wir haben also drei Komponenten zu beachten:
1. den faszio- muskulären, also strukturellen Bereich,
2. die emotionale Verarbeitung des akuten Schmerzgeschehens und
3. die Gefahr der Chronifizierung der Beschwerden bis hin zur Ausbildung depressiver
somatoformer Störungen, Somatisierung, Fibromyalgiesyndrom oder als neuropathische
Schmerzen mit vielgestaltiger Symptomatik bzw. Ausbildung stressassoziierter Erkrankungen
(dem Colon irritabile, dem hyperkinetisches Herzsyndrom sowie der chronische Gastritis)
(Braus, EinBlick ins Gehirn 2011, S. 108)


Die übliche Reaktion auf Schmerzen


Zunächst verfügen wir über ein polysynaptisches, reflektorisches Abwehrsystem im Rückenmark,
das uns hilft, spontan und bereits unbewusst auf ein schädigendes Agens zu reagieren.
Damit ließe sich eine fortgesetzte Schädigung vermeiden.
Auf innerlich, wie äußerlich veranlasste Schmerzen reagieren wir reflektorisch mit Verspannungen
des Gewebes. Diese schützen das System auf diese Weise vor weiterer Schädigung.
Zeitgleich läuft allerdings ein sehr komplexes neurophysiologisches Regulationsmuster ab,
bei dem u.a. Teile des Zingulums über kognitive Prozesse auf die Emotionsregulation wirken,
im periaquäduktalen Grau das Endomorphinsystem aktiviert wird, Oxytocin durch soziale
Bindung die Amygdala beeinflusst, sowie deszendierende serotonerge und noradrenerge Bahnen
afferente Schmerzbahnen hemmen. (Braus, EinBlick ins Gehirn 2011, S. 108)
Üblicherweise versuchen wir, die Ursachen der akuten Schmerzen zu beseitigen. Generell gilt
es, durch das Lösen der Verspannungen, ggf. durch Analgetika, manuelle oder thermische
Anwendungen und emotionale Zuwendung den Kreislauf aus Schmerz – Verspannung –
Schmerz zu unterbrechen.


Was kann hier speziell die Craniosacraltherapie bewirken?


Ein wichtiger Hintergrund der kranialen Osteopathie nach William G. Sutherland (1873-1854)
ist die Annahme, dass Gehirn und Hirnwasser eine autonome und rhythmische Bewegung
haben, die er das Primäre Atemsystem nannte. Sie findet sich im Skelett, im Bindegewebe
und in den Organen. Ihre Ausbreitung über den Körper lässt sich hinsichtlich ihrer Qualität
von der erkennenden Berührung des CS- Praktizierenden ertasten. Damit sind lokale Verletzungen
und Blockaden aufzuspüren. Die therapeutischen Berührungen reichen von deutlich
manuellen Techniken bis hin zu einem subtilen Aufspüren und Begleiten der primären Atembewegung
in den Strukturen des Organismus. Mit der befreiten Bewegung des Primären Atemsystems
in allen Strukturen tritt dann ein nach der individuellen Krankheitssituation möglicher
Gesundungsprozess ein. (Merkel, homepage www.cranioschule.ch)
Es ist bekannt, dass unser menschliches System aus Körper, Seele, Geist und Spirit auf allen
zur Verfügung stehenden Ebenen einen Gleichgewichtszustand (Homöostase) anstrebt. Die
vorliegenden Störungen, die dem akuten Schmerz zugrunde liegen, erfordern eine strukturelle
und eine seelisch- geistige Korrektur, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen.
Im Mittelpunkt des therapeutischen Geschehens steht die Wiedererlangung der physiologischen
Motilität und Mobilität des körperlichen Gewebes mit ihrer Bedeutung für den Lymphabfluss,
für die Durchblutung und die Entgiftung, und damit für die Schmerzreduktion.
Die Unterstützung der Wiederherstellung des strukturellen und seelisch- geistigen Gleichgewichtes
stellt eine Domäne der Craniosacraltherapie dar.
Dabei verfolgt der CS- Praktizierende mit der berührenden Aufmerksamkeit seiner Hände die
strukturellen Regenerationsvorgänge z.B. im myofaszialen Gewebe.
Definierte elektromagnetische Ladungen bedingen auf molekularer Ebene die Motilität im
Zell- und Gewebsverband und damit auch die Mobilität auf der Ebene der Muskeln und Gelenke.
Alle wichtigen Funktionen unseres Körpers sind an bestimmte Potenziale gebunden: Aktionspotenziale,
Ruhepotenziale, Verletzungspotenziale, Redoxpotenziale, um nur einige zu nennen.
Die Rolle, die Verletzungspotenziale bei spezifischen Zellmembranen spielen, ist schon
lange bekannt. Verletzung der Membran bedeutet das Zusammenfließen von vorher getrennten
Ionenladungen. ( …- mit der Folge, dass Natrium oder auch Calziumionen in die Zelle
einströmen) Die Polarisation in positiven und negativen Ladungsverhältnissen nimmt ab. Diese
so entstehenden Hypopolarisationen steuern allerdings wiederum Immunreaktionen und
Reparaturvorgänge, leiten also Heilungsprozesse ein. (Warnke, 2012, 176 f)
Für eine Regeneration müssen sich Zellen auch immer wieder dedifferenzieren, das heißt zu
einem vergangenen Status zurückkehren Als Folge davon entstehen Stammzellen. Das Signal
zur Dedifferenzierung von Nervenzellen geht von ihren eigenen elektrischen Impulsen aus,
den bereits erwähnten Aktionspotenzialen. Es ließ sich u. a. nachweisen, dass dieser Retroset-
Mechanismus allein mit dem Bewusstsein durchzuführen ist.
Die Quantenphysik vermag uns erfreulicherweise die Zusammenhänge und Wirkungen zu
erklären. Wir wissen, dass Gedanken, Vorstellungen und bestimmte Haltungen hilfreich sein
können, in ein Geschehen einzugreifen. Warnke (Quantenphilosophie und Spiritualität, 2012)
spricht vom Kollabieren der Welleninformation durch Sinngebung und Bedeutung zur Entstehung
von Materie. Der Einfluss auf den Spin eines Elektrons verändert die Ladung des Atoms
und schließlich die Funktion einer ganzen Molekülkette.
So lässt sich mit den Erkenntnissen der „Neuen Physik“ die Wirkung der Craniosacraltherapie
auf die Wiederherstellung der physiologischen Gegebenheiten im Gewebe des Patienten
erklären, indem der Therapeut seine Vorstellungen von Heilung auf das Gewebe überträgt und
damit die Selbstheilungskräfte des Patienten unterstützt.
Es kann sicher davon ausgegangen werden, dass zeitgleich auch im Rahmen der craniosacralen
Behandlung ein sehr komplexes neurophysiologisches Regulationsmuster abläuft, und
zwar in der Weise, dass u.a. Teile des Zingulums über kognitive Prozesse auf die Emotionsregulation
entspannend wirken, im periaquäduktalen Grau das Endomorphinsystem wieder deaktiviert
wird und die Amygdala durch das Erleben des befreienden und entspannenden Behandlungsablaufes
beeinflusst wird.
Hier ist speziell die Wirkung auf das limbische System zu nennen. Durch die neuroviszerale
Behandlung des Mandelkernkomplexes kann einer Chronifizierung der Beschwerden erfolgreich
vorgebeugt werden.

Einige Behandlungsbeispiele:


Akute Lumboischialgie


Voraussetzung für eine effektive Behandlung ist eine ausführliche Diagnostik.
(Mumenthaler, Neurologie, 1979, S.382)
Der weitaus größte Teil der Ischiassyndrome ist ein Wurzelischias und auf einen lumbalen
Diskusprolaps zurückzuführen. Die typische Anamnese umfasst oft, aber keineswegs immer,
ein Verhebetrauma, eine unkontrollierte plötzliche Bewegung (Abfangen eines Sturzes) oder
seltener ein direktes Rückentrauma. Gelegentlich finden sich auch schon Lumbalgien oder
Ischiasbeschwerden in der Vorgeschichte. Zunächst stellen sich dann schlagartig („Hexenschuß“)
oder innerhalb von Stunden bis Tagen zunehmende lumbale Schmerzen ein. Als Ausdruck
des vertebralen Syndroms besteht eine Bewegungsbehinderung sowie ein Husten- und
Pressschmerz. Das Lasègue-Zeichen ist schon in dieser Phase oft positiv. Nicht immer
schließt sich das eigentliche radikuläre Syndrom an: Die Schmerzen verlagern sich auf die
Rückseite eines Beines, strahlen bis in die Kniekehle oder in den Fuß aus, so dass nunmehr
von einem „Ischias“ gesprochen wird. ( > Abb. 24) Bei hohen lumbalen Diskushernien mit
Kompression der Wurzeln L2, L3 oder L4 allerdings strahlen die Schmerzen in den ventralen
Oberschenkel oder eventuell in den medialen Unterschenkel (L4) aus. ( > Abb. 25) Gerade
die hierfür verantwortlichen Hernien können sehr weit lateral liegen und im Myelogramm
nicht sichtbar sein. Auch fehlt hierbei gelegentlich ein deutliches vertebrales Syndrom und der
Lasègue ist naturgemäß negativ, hingegen der „umgekehrte Lasègue“ positiv. Schmerzen und
Parästhesien können gelegentlich durch Seitwärtsneigen auf die Läsionsseite hin (und gleichzeitiges
Husten) provoziert werden.
Die Lokalisation auffälliger Parästhesien, einer Sensibilitätsstörung oder eines ausstrahlenden
Hustenschmerzes, das Auftreten bestimmter motorischer, sensibler oder Reflexausfälle erlauben
eine Identifizierung der betroffenen Nervenwurzel. Eine durch das Ligamentum longitudinale
posterius hindurch in den Wirbelkanal hineinluxierte Hernie kann zur Schädigung mehrerer
Wurzeln oder gar zu einem Kompressionssyndrom der Cauda equina mit Paraplegie und
Sphinkterstörungen führen. Selten einmal kann eine Harnretention ohne andere neurologische
Ausfälle auf einer lumbalen Diskushernie beruhen.
****
Beim Befragen eines Patienten mit einer Lumboischialgie werden wir auf folgende Punkte
besonders achten:
- hatten Sie früher schon einmal oder mehrfach ähnliche Beschwerden im Rücken,
einen Hexenschuß, auch mit Ausstrahlung in ein Bein?
- Waren die Beschwerden damals auf der gleichen Seite wie heute, wie sind die
Beschwerden gewesen, wie lange haben sie angehalten, was hat Ihnen damals
geholfen?
- Wie ist es jetzt zu den Beschwerden gekommen? Was haben Sie gerade gemacht?
- Seit wann bestehen die akuten Beschwerden ?
- Sind die Schmerzen mehr im Bereich des Rückens oder strahlen sie in ein Bein
aus, in welches Bein?
- Wo zieht der Schmerz und die Empfindungsstörung lang, lassen sie sich durch
Husten oder eine bestimmte Bewegung verstärken?
- Wie und wohin strahlen die Schmerzen aus, sind sie von Mißempfindungen
begleitet, wo haben Sie ein taubes oder brennendes Empfinden, haben Sie eine
Schwäche bemerkt, bei bestimmten Bewegungen?
- Haben Sie zusätzlich Störungen der Blasenfunktion, der Mastdarmfunktion,
der Potenz bemerkt?
- Was für einer Arbeit, was für einem Hobby gehen Sie nach (berufliche Tätigkeit,
Gehfähigkeit, Ankleiden...)
- Was haben Sie bisher gegen die Beschwerden unternommen? Was hat geholfen,
was hat nicht geholfen?
Beim Untersuchen des Patienten mit einer Diskushernie wird man speziell auf folgendes
achten:
Form der Wirbelsäule und Haltung des Patienten, insbesondere Abflachung der Lendenwirbelsäule
und Skoliosierung,
Einschränkungen der Beweglichkeit der Wirbelsäule (vermehrter Schober-Index, vergrößerter
Finger-Boden-Abstand),
Druck- und Klopfdolenz der Lendenwirbelsäule und der paravertebralen Druckpunkte,
Spannung des M. erector trunci,
Stellung der Glutäalfalten und Tonus der Gesäßmuskulatur,
Trophik der unteren Extremitäten (Wadenumfang),
Lasègue-Zeichen („umgekehrter“ Lasègue bei hohen lumbalen Diskushernien),
Eventuell – besonders bei luxierten Hernien – ein „gekreuzter“ Lasègue, d.h. ein
Schmerz auf der befallen Seite durch Abheben des gestreckten gegenseitigen Beines
von der Unterlage,
Positives Neri – Zeichen: Beim Bücken nach vorne reflektorisches Beugen des Knies
auf der betroffenen Seite,
Druckdolenz des Ischiadicusstammes (Valleixsche Druckpunkte) mit Ausstarahlung
bis zur Achillessehne,
Motorische Ausfälle, insbesondere Dorsalextensionsschwäche der Großzehe (und des
Fußes) bei L5 – Syndrom, Plantarflexionsschwäche des Fußes (Hüpfen auf dem Fuß)
bei S1 – Syndrom, Quadricepsparese (Stuhlbesteigen, anamnestisch Treppensteigen
erschwert) bei L4-(L3-)- Syndrom,
Reflexanomalien; abgeschwächter oder fehlender Achillessehnenreflex bei S1 – Syndrom,
abgeschwächter (nicht fehlender) Patellarsehenenreflex bei L4/L3 – Syndrom,
Sensibilitätsstörungen bandförmig (lateraler Fußrand bei S 1-Syndrom, Fußrücken und
Großzehe bei L 5 – Syndrom. Achten auf Ausfall mehrerer Nervenwurzeln.
Die Differentialdiagnose der lumbalen Diskushernien umfaßt vor allem die verschiedenen
Schmerzsyndrome im Rücken- und Beckenbereich, alle anderen vertebralen Wurzelläsionen:
Tumoren, Abszesse, Frakturen, dann die nicht radikulären Paresen, insbesondere Beinplexusparesen,
periphere Peronaeusparesen, sowie auch die mit Schmerzen einhergehenden Lähmungen,
wie z.B. die proximale asymmetrische diabetische Neuropathie und die vaskulären
Prozesse im Bereich der A. iliaca und ihrer Äste (Ischämieschmerz, Kälte der Extremität).
Beim Syndrom des (kongenital) engen Lumbalkanals führt eine in späteren Lebensjahren
hinzutretende Spondylose zu einem schmerzhaften Caudasyndrom mit Beteiligung mehrerer
Wurzeln. Der Lumbalkanal erscheint im Seitenbild zu eng (normal 22 – 25 mm) und das Myelogramm
zeigt eine hochgradige Passagebehinderung auf mehreren Segmenten.
Bei lumbaler Spondylose und bei Diskushernie kann es auch zu einem beim Gehen auftretenden
Schmerzsyndrom kommen, das eines Pseudoclaudicatio intermittens entspricht, auch als
Claudicatio der Cauda equina bezeichnet. Das Stillstehen allein bringt hier die Schmerzen oft
nicht zum Abklingen, sondern erst ein Haltungswechsel mit Beugung der Wirbelsäule. Er8
leichterung tritt allerdings oft erst beim Ablegen auf, und Parästhesien und radikuläre Ausfälle
erleichtern die Differentialdiagnose.


Die Aufgabe der Craniosacraltherapie bei diesem Krankheitsbild


(Es versteht sich von allein, dass bei vorliegender Operationsindikation (schlaffe Parese,
Harnstau) keine Craniosacralbehandlung erfolgen darf.)
Nach einer entsprechenden Lagerung des Pat. zur Entlastung der Wirbelsäule kann in verschiedener
Weise vorgegangen werden:
Lokal ist es möglich, auf struktureller Ebene durch craniosacrale Techniken z.B. der Kompression/
Dekompression das betreffende Wirbelsegment anzuregen, den Eigenrhythmus
wieder zu finden. Dabei kommt es nicht nur zur strukturellen Lösung der myofaszialen, sondern
in gleicher Weise der durch das Trauma lokal bedingten emotionalen Verspannungen im
Gewebe.
Handelt es sich bei dem aktuellen Schmerzgeschehen allerdings um ein auch bereits häufiger
aufgetretenes Rezidiv, wird zusätzlich die CS- Behandlung des Atlas mit seinen speziellen
Beziehungen zu den spinalen Häuten sinnvoll sein. Dieser therapeutische Zugang ist im Übrigen
auch vorzuziehen, wenn eine lokale Behandlung aufgrund der Schmerzintensität nicht
durchführbar ist.
Letztlich wird die neuroviszerale Behandlung des limbischen Systems über den Mandelkernkomplex
indiziert sein, um – gerade bei rezidivierendem Krankheitsgeschehen - das begleitende
Angstpotential zu mindern und der weiteren Chronifizierung vorzubeugen.
Gleiches gilt für die Untersuchung und Behandlung eines Cervikalsyndroms


Akute Trigeminusneuralgie


Die idiopathische Trigeminusneuralgie ist die häufigste Gesichtsneuralgie überhaupt. (Mumenthaler,
Neurologie 1979, S. 339) Charakteristisch ist – wie bei allen Neuralgien – die
Schmerzlokalisation im Ausbreitungsgebiet des peripheren Nerven. Die Schmerzen haben in
der Regel einen reißenden und bohrenden Charakter. Gerade im Gesichtsbereich treten oft
kurzdauernde, blitzartige, seltener langdauernde, intensive Schmerzattacken auf. Diese können
nicht selten durch Berühren bestimmter Stellen in der Peripherie („Trigger-Punkt“) oder
durch bestimmte Handlungen, wie Sprechen, Schlucken, Kauen usw. ausgelöst werden. (Mumenthaler,
Neurologie 1979, S. 339)


Die Aufgabe der Craniosacraltherapie bei diesem Krankheitsbild


Entsprechend der sicher multifaktoriellen Genese der neuralgischen Erkrankung ist ein umfassender
Therapieansatz erforderlich. Um die oftmals notwendige Einnahme meist starker
Schmerzmittel zu verringern, lässt sich die Schmerzbehandlung durch eine craniosacrale Therapie
unterstützen. Das betrifft sowohl die strukturellen Komponenten, speziell die möglicherweise
vorliegenden Keilbeinläsionen und die begleitenden Verspannungen der Hirnhäute,
als auch die emotionale Komponente durch die Linderung der Schmerzintensität und auch
hier die Einflussmöglichkeit auf das seelisch- geistige Verarbeiten der begleitenden Erwartungsängste
des Patienten mithilfe der Behandlung des limbischen Systems über den Mandelkernkomplex.
Ein spezieller Zugang ist der neuroviszerale, bei dem der betreffende Nerv in
seiner Ausbreitung mit der berührenden Aufmerksamkeit des CS- Praktizierenden begleitet
wird. Das ist allerdings bei starkem lokalem Schmerz nicht inner tolerabel.

Akuter Migräne- Anfall


Allein in Deutschland sind fast zehn Millionen Menschen von Migräne betroffen. Dabei handelt
es sich um anfallartige, stechende Kopfschmerzen, die oft mit Übelkeit und Erbrechen
einhergehen und mehrere Stunden bis Tage andauern können.
Auch die Migräne ist ätiologisch kein einheitliches Krankheitsbild. Einige Forscher machen
einen Erregungssturm mit Streudepolarisation zur Übererregung neigender Neurone für den
Auslöser verantwortlich, die in der Folge über eine Erregung des N. trigeminus Schmerzsignale
an den Hirnstamm sendet. Von diesem ausgehend gelangt die Information zum Thalamus
und weiter zu der Hirnrindenregion, die für das Schmerzempfinden zuständig ist. Andere Forscher
sprechen von einem abnormen Verhalten irgendwo im Hirnstamm (z.B. der Raphekerne,
des Locus coeruleus und des aquäduktalen Höhlengraus. Die Fehlfunktion im Hirnstamm
löst im Kortex oder Subkortex einen Erregungssturm aus und aktiviert dabei schließlich auch
die Nervenendigungen des Trigeminus. Die Endigungen des N. trigeminus, schütten daraufhin
vermehrt Neuropeptide aus. Dies verursacht lokale Entzündungen an den Blutgefäßen, die
wiederum die Nozizeptoren der Trigeminusnerven reizen. Die Folge sind pulsierende Kopfschmerzen.
(Gehirn und Geist, Dossier, Spektrum der Wissenschaft Nr. 3,2013, S16 und S45)


Die Aufgabe der Craniosacraltherapie bei diesem Krankheitsbild


Zwar wird die grundsätzliche Behandlung eines Migräne- Patienten sich multifaktoriell hauptsächlich
auf die Rezidivprophylaxe im beschwerdefreien Interval beziehen, doch kann es auch
bei diesem Krankheitsgeschehen notwendigerweise zur craniosacralen Behandlung akuter
Schmerzzustände kommen.
Speziell zu bedenken ist dabei, dass die betroffenen Patienten den direkten Kontakt am Kopf
nicht akzeptieren werden. So wird die craniosacrale Behandlung, wie das ja auch bei der Akupunkturbehandlung
akuter Schmerzzustände zutrifft, von Fernpunkten aus geschehen.
Behandlungsmöglichkeiten des akuten Migräneanfalls betreffen auch hier zunächst die Entspannung
der Hirnhäute. Das führt einerseits zu strukturellen Veränderungen im Gewebe,
andererseits erreichen wir einen Einfluss auf die emotionale Komponente ohne speziell nach
der primären Genese (ob strukturell oder emotional bedingt) fragen zu müssen.
Der Ansatz leitet weiter zur neuroviszeralen Behandlung des limbischen Systems über den
Mandelkernkomplex, um z.B. die erlernte Furcht vor einem neuen Anfall zu lindern und damit
der weiteren Chronifizierung der Beschwerden vorzubeugen.
Vergleichbares gilt selbstverständlich auch für anderweitige diffuse Kopfschmerzsyndrome.


Zusammenfassend nimmt die craniosacrale Untersuchung und Behandlung eine zentrale
Stellung bei der Behandlung akuter Schmerzzustände ein, integriert in ein Gesamtkonzept
komplementär- medizinischer Maßnahmen.
Der CS- Praktizierende vermag Einfluss zu nehmen
- auf strukturelle Störungen des menschlichen Regulationssystems,
- auf das rhythmische Geschehen im Gewebe,
- auf das bewusste, emotionale Erleben im Zusammenhang mit speziellen Heilungsvorgängen
und
- auf unbewusste Ängste durch Einwirkung auf Strukturen des limbischen Systems,
insbesondere über den Mandelkernkomplex, als wesentlichen Faktor zu
Prophylaxe einer Chronifizierung der Beschwerden.

 

Literatur beim Autor: www.faltz.com

 

 

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Bitte beachten Sie:

Zum 1.10.2013 habe ich die Zulassung als Kassenarzt zurückgegeben, praktiziere aber privatärztlich weiter.

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